JUNI 2026 / nachtkritik.de

Weißt du schon, wie schön es wird? - Theater RambaZamba Berlin
Ohne Bankraub geht nüscht in Berlin

Milan Peschel und das RambaZamba – ein Match made in heaven. Nach ihrem Hit "Mord im Regionalexpress" legen sie jetzt mit einem Anti-Musical zum Ausverkauf Berlins nach: "Weißt du schon, wie schön es wird?" Kleinkriminell, kunstvoll und kolossal gut.

Von Iven Yorick Fenker

14. Juni 2026. Das Bühnenbild im RambaZamba-Theater ist bereits verkauft. Jedenfalls liest man das in roter Farbe auf der weiß gestrichenen Fassade eines Hauses, das in der Bühnenecke steht. Gegenüberliegend befindet sich eine ähnliche Kulisse, jedoch unbeweglich, darauf ein riesiges Notausgangssymbol gemalt. Symbolisch ist der Ton bereits gesetzt, bevor die Musik beginnt. Abgespielt wird dann ein Lied der Punkband Acht Eimer Hühnerherzen. Die genretypischen, sich immer wieder wiederholenden Akkordfolgen erfüllen den Raum. Dazu, auch genretypisch, zupackende Texte. Sie werden den Abend begleiten.

"Weißt du schon, wie schön es wird?" heißt der Abend, den Milan Peschel als Regisseur zusammen mit dem RZt-Ensemble entwickelt hat. Eine interessante Frage, die sich eigentlich nicht beantworten lässt. Antworten sind sowieso überbewertet. Dieser Abend jedoch wird auf eine hinauslaufen: sehr schön.

(...)

MAI 2026 / nachtkritik.de

The Infinite Now - Festival Berlin Atonal Huldigt der Kunst

Im eindrucksvollen industriellen Setting des Kraftwerks Berlin, bekannt als Heimat des legendären Clubs "Tresor", fand 30 Stunden am Stück das Festival Berlin Atonal statt, mit vielen Acts aus der experimentellen Musik, aber auch aus der Performancekunst. Selbst beim Schlafen nahm der Körper noch Sound auf.

Von Iven Yorick Fenker

18. Mai 2026. Im ehemaligen Berliner Heizkraftwerk Mitte laufen die Nebelmaschinen auf Hochtouren. Von der hohen Decke fallen Lichtstahlen auf eine Erhebung, eine Bühne, die eigentlich keine ist. Wo früher die Turbinen rotierten, lässt die italienische Musikerin Caterina Barbieri die Musik im Loop laufen. Davor Umrisse von Menschen. Ein Publikum, das sich für experimentelle Musik und gegen den ESC entschieden hat. Die Musik erfüllt den ganzen Raum, das Kraftwerk selbst wird zu Musik. Der Bass bringt Herzen und Beton in Bewegung. Zwischen Säulen viele Feldbetten, einige schlafende Menschen. Auf dem Boden elektrische Kerzen. Es ist ein langer Gang, der zu der beschienenen Erhebung führt. In Momenten des sich lichtenden Nebels ist Barbieri über dem Soundpult zu sehen, das Kontrollzentrum des ganzen Kraftwerks.

Es ist erstaunlich, wie schnell sich der Körper nach Betreten dieser postindustriellen Betonkathedrale an den Zustand der vollkommenen Ausgeliefertheit gewöhnt. Die Muskeln zittern zärtlich, die Innenohrhärchen klatschen hilflos hin und her, der Körper ist gegenüber seiner Umgebung klein. Die Effekte sind ebenso sakral wie theatral. Dreißig Stunden Programm in diesem dreißig Meter hohen Raum bietet The Infinite Now. Das Ambient-Musik-Experiment mit Videokunst und Installationen von Berlin Atonal in Zusammenarbeit mit Unsound lädt dazu ein, sich auf diesen Zustand der Immersion einzulassen. Einbettung, wortwörtlich. Die bereitgestellten Feldbetten sind bequem, und auch liegend, mit geschlossenen Augen, auch in tiefem Schlaf gibt es kein Entkommen. Der Sound ist allgegenwärtig.

(...)

MAI 2026 / nachtkritik.de

Serotonin - Der Shorty zum Theatertreffen-Gastspiel aus Potsdam
Konzentration im Blut

Auswärts- und gleichzeitig Heimspiel beim Theatertreffen: Für Sebastian Hartmanns mehr als fünfstündige "Serotonin"-Inszenierung mit dem famosen Guido Lambrecht musste das Berliner Publikum nach Potsdam tingeln. Manche hielt es nicht auf den Sitzen.

Von Iven Yorick Fenker

7. Mai 2026. Es ist ein weißer, eckiger Kasten, mit einer weißen Bank an der Bühnenrückwand, der in der Reithalle des Hans Otto Theaters in Potsdam steht. Oder, wie Guido Lambrecht, der jetzt, ganz in Weiß, auftritt, mit dem ersten Satz des Romans von Michel Houellebecq beginnt: "Es ist eine weiße, ovale, teilbare Tablette."

Es geht um Serotonin, den Titel des Textes, den Lambrecht beeindruckender Weise wegerzählt, als wäre es nichts. Serotonin ist es auch, dessen Konzentration im Blut die Einnahme besagter Pille erhöhen soll. Serotonin in der Inszenierung von Sebastian Hartmann ist jedoch maximal reduziert. Die Konzentration des Publikums hängt ganz und gar von Lambrechts schauspielerischem Vermögen ab. Es gibt keine anderen Mittel.

Im Modus der Depression

Es liegt eine Spannung in der Luft, Lambrecht bewegt sich kaum. Er sitzt, wie das Publikum. Die Sessel quietschen, in der ersten halben Stunde immer wieder Unruhe und bereits die ersten Zuschauer, die den Saal verlassen. Sie sind zu selbstbestimmten Pausen angehalten, der Abend dauert über fünf Stunden. Es werden noch weitere gehen, viele, früher oder später. Verzweifeln sie? Es gehen viele, wenige kommen wieder. Zum Ende hin lichtet sich der Saal, der die ganze Zeit belichtet bleibt. Wenn jemand geht, unterbricht Lambrecht. Dann geht es weiter. Langsam. Die Erzählung kommt nicht, ganz wie der Protagonist des Romans, aus dem Modus der Depression.

(...)