MÄRZ 2026 / TIPPGEMEINSCHAFT – JAHRESANTHOLOGIE DER STUDIERENDEN DES DEUTSCHEN LITERATURINSTITUTS LEIPZIG
IMMER NOCH STAU
Mein Onkel ist sehr stolz auf seinen Ford – weil der nie kaputt geht,
wie er immer gesagt hat – bis er kaputt gegangen ist; der Ford und später auch mein Onkel.
Ich erinnere mich, wie sie vor unserem Haus stehen, er in der Haustür, der Ford auf der Spielstraße.
Mein Onkel trägt ein Poloshirt, weil er mit dem Unterarm am Türrahmen lehnt, ist der untere Teil seines
dicken Bauches zu sehen, an seinem Handgelenk hängt ein schweres goldenes Armband, seine andere Hand
verschwindet in der ausgebeulten Tasche seiner Jeansshorts, nur seine glänzende Uhr ist zu sehen.
Hinter ihm läuft der Motor, damit die Klimaanlage nicht ausgeht, wie er sagt – als müsste er
sich vor seinem Bruder dafür rechtfertigen; meinem Vater, der eigentlich gar nichts dagegen
gesagt hat, sondern, wie so oft; schweigt. Mir aber zwinkert mein Onkel zu, als hätte er gerade
etwas Verbotenes, Verbindendes, Verbrüderndes gesagt. Ich stehe ja nicht lange hier, sagt er,
um das Schweigen zu brechen. Im Motor verbrennt das Benzin, im Auto ist es kalt, draußen ist es
heiß. Willst du noch reinkommen, sagt mein Vater. Er spricht das nicht wie eine Frage aus,
vielleicht wurde die Intonation aber auch vom Motorenlärm verschluckt.
Der Harz ist verschlafen und hat viele Kurven. Am Wochenende
ist es voll, die Straße von Bad Harzburg zum Brocken hoch kannst
du vergessen, sagt mein bester Freund. Wir nehmen einen anderen Weg. Und noch ein
Organspender, sagt er und lacht, während ein Motorradfahrer an uns vorbei fährt. Auf so einem Ding musst
du aufpassen, dass es dich nicht zerreißt, sagt er – wegen der
Fliehkräfte. Wir sitzen im Porsche seines Vaters. Ich kann ihn gar
nicht ausreizen, sagt er, aber merkst du, wie es dich jetzt schon
in den Sitz drückt? Ich fühle es.
Mein Vater schaut weg. Mein Onkel schaut auf seine Uhr. Ich höre,
wie der Motor lauter wird. Das ist doch eine Schweinerei, dass die
da hinten wieder die Straße dicht gemacht haben, sagt mein Onkel und mein Vater nickt.
Es ist nachts und ein schwarzer Mercedes rast über den Schotterweg, der durch die
Kleingartensiedlung führt. Er hat die rot-weiße Plastikkette durchbrochen, von der uns
eingeschärft wurde, dass sie unbedingt und zu jeder Zeit zurückgehangen werden muss, weil
sonst ja Ortsfremde auf die Idee kommen könnten, einfach der Musik nachzulaufen…
(...)
MÄRZ 2026 / TIPPGEMEINSCHAFT – JAHRESANTHOLOGIE DER STUDIERENDEN DES DEUTSCHEN LITERATURINSTITUTS LEIPZIG
Die Tippgemeinschaft 26 erscheint auch in diesem Jahr in brandneuem Outfit und ist randvoll mit den allerfrischesten Texten, Perspektiven, Ideen und dem ganz speziellen Tippi-Zauber! Die Jahresanthologie des Deutschen Literaturinstituts Leipzig versammelt dieses Jahr Texte von: Amalie Mbianda Njiki, André Woschée, Anna Fiserová, Carla Lorenz, Charlotte Florack, David Kienzler, Emi Atze, erikaur, Felix Gräbeldinger, Finn Tubbe, Franziska Schmidt, Grigory Stanskiy, Iven Yorick Fenker, Jan Kriebel, Jasmin Ernst, John Sauter, jona rausch, Josefa Ramírez Sánchez, Julia Blöcher, Kaija Knauer, Konstantin Schmidbauer, Leah Luna Winzely, Leena Schnack, Lena Riemer, Liola Nike Mattheis, Linus Schuierer, Lukas Arndt, Marc Huber, Mari Molle, (…)
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https://www.kulturkaufhaus.de/de/detail/ISBN-9783948814236/Ehrlich-Roman/Tippgemeinschaft-2026
MÄRZ 2026 / TIPPGEMEINSCHAFT – JAHRESANTHOLOGIE DER STUDIERENDEN DES DEUTSCHEN LITERATURINSTITUTS LEIPZIG
Tippgemeinschaft 2026
Jahresanthologie der Studierenden des Deutschen Literaturinstituts Leipzig
Ehrlich, Roman (Vorwort von) / Kienzler, David (Herausgegeben von) / Schieber, Verena (Herausgegeben von) / Schilling, Torben (Herausgegeben von) / Schmidt, Franziska (Herausgegeben von) / Ramírez Sánchez, Josefa (Herausgegeben von) / Leipzig, Literaturinstitut (Herausgegeben von)
ISBN 978-3-948814-23-6
Die Tippgemeinschaft erscheint auch in diesem Jahr in brandneuem Outfit und ist randvoll mit den allerfrischesten Texten, Perspektiven, Ideen und dem ganz speziellen Tippi-Zauber! Die Jahresanthologie des Deutschen Literaturinstituts Leipzig versammelt dieses Jahr Texte von: Amalie Mbianda Njiki, André Woschée, Anna Fišerová, Carla Lorenz, Charlotte Florack, David Kienzler, Emi Atze, erikaur, Felix Gräbeldinger, Finn Tubbe, Franziska Schmidt, Grigory Stanskiy, Iven Yorick Fenker, Jan Kriebel, Jasmin Ernst, John Sauter, jona rausch, Josefa Ramírez Sánchez, Julia Blöcher, Kaija Knauer, Konstantin Schmidbauer, Leah Luna Winzely, Leena Schnack, Lena Riemer, Liola Nike Mattheis, Linus Schuierer, Lukas Arndt, Marc Huber, Mari Molle, Maria Păcurariu, Meret Hauber, Otti Schollek, Philip Meinert, Raphael Ostertag, Robin Dorn, Ruwen Jim Werthmüller, Sarah Hensel, Shitela Maria Biallas Abdel Ghani, Sonali Beher, Sven Beck, Sven Spaltner, Tara Meister, Teresa Metzinger, Tina Brüggener, Torben Schilling, Valeria Nieberg, Verena Schieber, Victor Sattler, Victoria Schulz, Viktoria Kerkewitz, Wanda Eckert.
Erscheint als schöne Klappenbroschur / ISBN 978-3-948814-23-6
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https://www.cvb-leipzig.de/tippgemeinschaft/
MÄRZ 2026 / ZINE - TIPPGEMEINSCHAFT - DEUTSCHES LITERATURINSTITUT
MEINE KATZE IST EIN WUNDER
von Iven Yorick Fenker
Meine Katze ist ein Wunder. Meine Katze ist eigentlich schon tot. Meine Katze lebt aber. Meine Katze war sehr lange krank. Meine Katze habe ich über Monate täglich gegen ihren Willen festhalten müssen, um ihr ein Medikament zu spritzen, das in Europa noch nicht zugelassen ist und das ich mir in China besorgen musste. Meine Katze hat dabei so gekämpft, als ginge es um ihr Leben und das ging es auch. Meine Katze hat mich mehrmals verletzt dabei. Meine Katze habe ich öfter zur Ärztin getragen, als mich. Meine Katze lag in meinem Arm und ich musste entscheiden, ob sie getötet werden soll. Meine Katze ist ein Wunder, dafür habe ich mich entschieden.️
(...)
Zine, begrenzte Stückzahl. (Sold out.)
OKTOBER 2025 / HOT TOPIC MAGAZIN
ICH SCHLIEßE MEINE AUGEN UND ICH BIN DU
Sie fasst meinen Schwanz an und alles ist gut. Wenn sie mich in der Hand hat,
kann mir nichts passieren, jedenfalls nichts besseres. Wie deine Pupillen größer werden, sagt sie
und lacht. Schön dich wieder zu sehen, sage ich. Wir schauen uns an, sie schaut nicht weg, das
hat sie nie, das habe ich an ihr geliebt, denke ich, während in mir die Geilheit meine Scham wegspült.
Sollen doch alle zusehen! Ich hebe die Hände. Wir sitzen an der Eisdiele, an unserem Tisch, um uns die
Kleinstadtgesellschaft, hinter uns der Wochenendverkehr. Ich bin wehrlos, sage ich, aber sie lacht nicht,
sondern schaut mich weiter an. Ich schaue mich um, während die Scham wieder in mir aufsteigt, mein Gesicht
rot färbt und das Blut meinen Penis pulsieren lässt. Wie lächerlich, denke ich und senke die Hände. Nanana,
flüstert sie und ich hebe die Hände wieder höher. Ganz genau, sagt sie und ihre Hand unter dem Tisch schließt
sich fester um meinen Schwanz. Ich explodiere gleich, denke ich. Ja, sagt sie. Habe ich das laut gesagt?
Sie sagt: Ja. Fuck, ist das peinlich – aber sie lächelt. Durch meinen Körper geht ein Zucken, das ich nicht
kontrollieren kann. Ich schließe die Augen und spüre, wie ihr Griff noch härter wird. Ich spüre, wie meine
Oberschenkelmuskeln sich anspannen, ihre Spannung gleich wieder verlieren und wieder hart werden, wie meine
Brustmuskulatur zu zittern beginnt, sich die Muskeln meines Bauches zusammenziehen und es im unteren Rücken
zu kribbeln beginnt, wie die Spannung durch meine Arme zieht und mein Bizeps steinhart wird und mein Penis
taub, wie einer ihrer spitzen Fingernägel durch den Stoff meiner Anzughose und an meiner angeschwollenen
Eichel herunter- und es durch meinen Körper fährt – wie ich kurz davor bin in meine Unterhose zu spritzen;
wie ich nach vorne kippe, wie ich nach Halt suche, wie ich den Tisch zu fassen kriege, wie ich Glas zerbrechen
höre, ich aber die Augen weiter geschlossen lasse, weil das mein Traum ist. In meinen Ohren rauscht es.
Mein Blut lässt zwei Signale in mein Hirn schießen: Schmerz und: Mehr! Fuck!, sage ich – laut. Psst, die
Leute gucken schon, sagt sie und auch ich mache die Augen wieder auf. Sie hat sich zurückgelehnt und
meinen Penis losgelassen: Guten Morgen, Baby.
Sie grinst, ich auch. Es ist Hochsommer, es ist warm und ich weiß, wie heiß es zwischen ihren Schenkeln ist.
Sie hat den seidenen Rock mit Artischockenmuster an, den ich ihr in Italien gekauft habe, und während
irgendwo aus der Tiefe meines Kopfes Erinnerungen an Sand, gerötete Haut, Reibung, Salz und Schweiß und
ihr Stöhnen kommen, spüre ich, wie das Blut zurück in meinen Penis strömt und sich Erregung in mir ausbreitet.
Es ist, als würde ihr Stöhnen aus dem Italienurlaub ins deutsche Jetzt hallen. Wir sind im Meer und sie
treibt auf meinem Schwanz auf und ab. Mein Kreislauf ist im Arsch und die Geilheit zieht sich in Wellen
durch meinen Körper. Schau, was du angerichtet hast, sagt sie und: Hör auf, zu träumen!
(...)
OKTOBER 2025 / HOT TOPIC MAGAZIN
Autor:innen: Antoinette Blume, Samira Servos, Jannik Lober, Xenia Cornelius, Carlo Liemen,
Theresa Kleiner, Mari Molle, Tommi, Iven Yorick Fenker, Lio Lukas Laurenz Diona, David Liedtke, Lea Henkel,
Nikey Dauringon, Christoph Hein, Sonja Yakovleva
Illustrationen: Whitney Bursch
Inhalt & Lektorat: Cynthia Cornelius, Lilly Freter, Nina Heller, Inga Tutkun
Korrektorat: Theresa Luserke
(...)
OKTOBER 2025 / HOT TOPIC MAGAZIN
Hot Topic! Nr. 6 Herausgeber:innen und Redaktion: Cynthia Cornelius, Lilly Freter, Nina Heller, Clemens Rothbauer
Kommt mit uns und komm auf deine Kosten. Hier gibt es kein bare minimum — du hast das full package verdient! Bette dich auf blühend wilde Wiesen, lass die horny Sprachi deine Ohrmuschel necken, sauge deinem Crush im nächtlichen Hallenbad das Chlor aus jeder Pore und lass wehende Wellen über dich schwappen. Spüre dem Glow nach, zerfließe wie Honig in warmer Milch. Dance mit uns in heavenly Höhen oder gehe zu Lady Gaga dirty in der Dorfdisco ab. Stürze dich in Dating-Eskapaden und bewundere dich im Spiegel über dem Hotelbett. Lass dich kennen — in 'n' out. Zieh den Reißverschluss klick; klick; klick oh so slow nach unten… so hot — too hot not to talk about ♥️
Autor:innen: Antoinette Blume, Samira Servos, Jannik Lober, Xenia Cornelius, Carlo Liemen, Theresa Kleiner, Mari Molle, Tommi, Iven Yorick Fenker, Lio Lukas Laurenz Diona, David Liedtke, Lea Henkel, Nikey Dauringon, Christoph Hein, Sonja Yakovleva
Illustrationen: Whitney Bursch
Inhalt & Lektorat: Cynthia Cornelius, Lilly Freter, Nina Heller, Inga Tutkun
Korrektorat: Theresa Luserke
Immer aktuell bleiben unter @hottopicheft
(...)
https://www.marian-arnd.de/hot-topic-nr-6/
SEPTEMBRE 2025 / UNTERWEGS / TOURNÉE DE LECTURE AUX ÉTATS-UNIS
Deux auteur.e.s allemand.e.s, Sonali Beher et Iven Yorick Fenker, tou.te.s deux
étudiant.e.s à l'Institut littéraire de Leipzig, voyagent le long de la côte est des États-Unis, de
New York au Texas. Ils rendront compte régulièrement de leur voyage sous forme de notes, de textes
plus longs et d'images. Suivez les voix d'une jeune génération : leurs expériences de voyage aux
États-Unis (sans permis de conduire), leurs réflexions sur les sociétés américaine et allemande,
ainsi que leurs pensées personnelles et leurs idées philosophiques hors des sentiers battus.
À propos du projet « En route »
Le premier voyage d'UNTERWEGS (du 7 septembre au 7 octobre 2025) avec Sonali Beher et Iven Yorick Fenker
a conduit les participants à travers les États de l'est et du sud des États-Unis : New York (New York) -
Philadelphie (Pennsylvanie) - Pittsburgh (Pennsylvanie) - West Chester (Pennsylvanie) - Washington
(District de Columbia) - Front Royal (Virginie) - Charlotte (Caroline du Nord) - Atlanta (Géorgie) -
Athens (Géorgie) - Orlando (Floride) - Miami (Floride) - Houston (Texas)
En mars 2026, le projet se poursuivra avec deux nouveaux auteur.e.s ; le deuxième itinéraire sera
consacré à l'ouest et au sud-ouest des États-Unis. Un troisième voyage est prévu plus tard dans l'année 2026.
UNTERWEGS est réalisé en coopération avec l'Institut allemand de littérature de Leipzig et sous le patronage
du Prof. Dr Ulrike Draesner.
Vous trouverez de plus amples informations sur le projet sur le site web UNTERWEGS (en allemand ou en anglais).
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https://www.goethe.de/prj/geg/fr/thm/unt/sui.html
SEPTEMBRE 2025 / UNTERWEGS / TOURNÉE DE LECTURE AUX ÉTATS-UNIS
AUTEUR
Iven Yorick Fenker
Iven Yorick Fenker, né en 1994, a grandi dans le Harz, une région autrefois traversée par la frontière
interallemande et qui constitue souvent le décor de ses textes. Ses thèmes de prédilection sont la
masculinité, le fascisme, le football et l'amour. Il étudie à l'Institut allemand de littérature à
Leipzig et travaille comme auteur, cinéaste et journaliste, notamment pour DIE ZEIT à Berlin. Son
texte « Dornen Donner Stoßgebet » a été nominé pour le prix Wortmeldungen-Förderpreis. Son
film « die kastanie » a été présenté dans plusieurs festivals et a remporté le prix du jury jeunesse au Vienna Shorts 2025.
Dans le cadre du projet UNTERWEGS, Iven Yorick Fenker et Sonali Beher voyageront aux États-Unis à l'automne 2025.
Pendant leur voyage, ils rendront régulièrement compte de leurs impressions et de leurs expériences sous
forme de notes, de textes détaillés et d’images.
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https://www.goethe.de/prj/geg/fr/aut/26918554.html
SEPTEMBER 2025 / ON THE ROAD / READING TOUR IN THE US
Two authors from Germany – Sonali Beher and Iven Yorick Fenker, both students at the
German Institute for Literature in Leipzig – traveled along the East Coast of the United States, from
New York to Texas, in the fall of 2025.The articles below trace their literary impressions and personal
turning points along the way.
Follow the voices of a new generation as they recount their experiences of traveling through the United
States without a driver’s license, reflect on American and German society, and share personal observations
and philosophical insights beyond the mainstream.
The Route
The journey led Sonali Beher and Iven Yorick Fenker along the U.S. East Coast and to Southern states
between September 7 and October 7, 2025. The stops were: New York (NY) – Philadelphia – Pittsburgh –
West Chester (PA) – Washington, D.C. – Front Royal (VA) – Charlotte (NC) – Atlanta – Athens (GA) –
Orlando – Miami (FL) – Houston (TX).
ON THE ROAD is realized in cooperation with the German Institute for Literature Leipzig and under
the patronage of Prof. Dr. Ulrike Draesner.
Further information about the project can be found on the UNTERWEGS project website.
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https://www.goethe.de/prj/geg/en/thm/unt/sui.html
SEPTEMBER 2025 / ON THE ROAD / READING TOUR IN THE US
AUTHOR
Iven Yorick Fenker
Iven Yorick Fenker, born in 1994, grew up in the Harz region of Germany, an area once divided by
the inner-German border and often the setting for his writing. His work explores themes of
masculinity, fascism, football, and love. He is currently studying at the German Institute
for Literature Leipzig and works as a writer, filmmaker, and journalist, contributing to
outlets such as DIE ZEIT in Berlin. His text Dornen Donner Stoßgebet was nominated for the
“Wortmeldungen Förderpreis” award. His film die kastanie was screened at several festivals
and won the Youth Jury Prize at the Vienna Shorts in 2025.
As part of the ON THE ROAD project, Iven Yorick Fenker and Sonali Beher traveled across the United
States in the fall of 2025. Throughout their journey, they shared regular updates in the form of
notes, in-depth texts, and visual content documenting their experiences.
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https://www.goethe.de/prj/geg/en/aut/26918554.html
SEPTEMBER 2025 / UNTERWEGS / LESEREISE IN DEN USA
Zwei Autor*innen aus Deutschland – Sonali Beher und Iven Yorick Fenker,
beide Studierende des Literaturinstituts in Leipzig – reisten im Herbst 2025 entlang der
Ostküste der USA, von New York bis Texas. Die literarischen Eindrücke und persönlichen
Wegmarken der Autor*innen entfalten sich in den untenstehenden Artikeln.
Folgen Sie den Stimmen einer jungen Generation: ihren Erlebnissen beim Reisen in
den USA (ohne Führerschein), ihren Gedanken über die US-amerikanische und die deutsche
Gesellschaft, sowie persönlichen Reflektionen und philosophischen Einsichten abseits des Mainstreams.
Die Reise führte Sonali Beher und Iven Yorick Fenker vom 7. September bis 7. Oktober 2025 entlang der Ost-
und Südstaaten der USA: New York (New York) - Philadelphia (Pennsylvania) - Pittsburgh (Pennsylvania) -
West Chester (Pennsylvania) - Washington (District of Columbia) - Front Royal (Virginia) -
Charlotte (North Carolina) - Atlanta (Georgia) - Athens (Georgia) - Orlando (Florida) - Miami (Florida) -
Houston (Texas)
UNTERWEGS wird in Kooperation mit dem Deutschen Literaturinstitut Leipzig und unter der
Schirmherrschaft von Prof. Dr. Ulrike Draesner realisiert.
Weiterführende Informationen zum Projekt finden Sie auf der UNTERWEGS Projektwebsite.
(...)
https://www.goethe.de/prj/geg/de/thm/unt/sui.html
SEPTEMBER 2025 / UNTERWEGS / LESEREISE IN DEN USA
AUTOR< br />
Iven Yorick Fenker
Iven Yorick Fenker, geboren 1994, wuchs im Harz auf – einer Region, durch die einst die innerdeutsche Grenze
verlief und die häufig die Landschaft seiner Texte bildet. Seine Themen sind Männlichkeiten, Faschismus,
Fußball und Liebe. Er studiert am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig und arbeitet als Autor,
Filmemacher und Journalist, u. a. für DIE ZEIT in Berlin. Sein Text „Dornen Donner Stoßgebet” wurde
für den Wortmeldungen-Förderpreis nominiert. Sein Film „die kastanie” lief auf mehreren Festivals und
gewann den Jugendjurypreis bei den Vienna Shorts 2025.
Im Rahmen des UNTERWEGS-Projekts bereisten Iven Yorick Fenker und Sonali Beher im Herbst 2025 die USA.
Während ihrer Reise berichteten sie regelmäßig in Form von Notizen, ausführlichen Texten und Bildmaterial
über ihre Eindrücke und Erlebnisse.
(...)
https://www.goethe.de/prj/geg/de/aut/26918554.html
SEPTEMBRE 2025 / TEMPS DE VOYAGE / TOURNÉE DE LECTURE AUX ÉTATS-UNIS
NEW YORK EST
New York, c'est une surface recouverte de graisse, de sel et de sucre.
New York, c'est comme une lumière vacillante, un cœur qui bat.
New York, c'est la sensation après 12 heures de sommeil. Pas 11, pas 13, 12.
New York est une forêt – on ne les voit pas, mais il y a des loups.
New York est une carte de crédit en feu, éclairante.
New York, c'est moitié lune, moitié soleil.
New York, c'est regarder vers le haut, aller de l'avant, écouter derrière soi.
New York est plus petite qu'on ne le pense et plus grande qu'on ne le prétend.
New York est un village – sans club de football.
(...)
SEPTEMBER 2025 / TRAVELNOTE / READING TOUR IN THE US
NEW YORK IS
New York is a surface covered in fat, salt, and sugar.
New York is like flickering light, a beating heart.
New York is the feeling after 12 hours of sleep. Not 11, not 13, 12.
New York is a forest—you can't see them, but there are wolves.
New York is a burning credit card, illuminating.
New York is half moon, half sun.
New York is looking up, walking forward, listening backward.
New York is smaller than you think and bigger than they say.
New York is a village — without a soccer club.
(...)
SEPTEMBER 2025 / REISENOTIZ / LESEREISE IN DEN USA
NEW YORK IST
New York ist mit Fett, Salz und Zucker bedeckte Oberfläche.
New York ist, wie flackerndes Licht, ein schlagendes Herz.
New York ist das Gefühl nach 12 Stunden Schlaf. Nicht 11, nicht 13, 12.
New York ist ein Wald – man sieht sie nicht, aber es gibt Wölfe.
New York ist eine brennende Kreditkarte, erhellend.
New York ist halb Mond/ halb Sonne.
New York ist nach oben schauen, nach vorne gehen, nach hinten hören.
New York ist kleiner, als gedacht und größer, als behauptet.
New York ist ein Dorf – ohne Fußballverein.
(...)
SEPTEMBRE 2025 / TEMPS DE VOYAGE / TOURNÉE DE LECTURE AUX ÉTATS-UNIS
TACOS, ARMES, PAS DE BOTTES DE COWBOY
Le Texas est différent de ce que j'imaginais, et j'ai vu plus de chapeaux de cow-boy
à l'aéroport de Miami qu'ici à Houston, où nous attendons nos bagages. Je me suis acheté une nouvelle
valise et je ne suis plus très sûr de son apparence. Sonali la reconnaît et se moque de moi.
Houston est une ville idéale pour conduire, dit notre chauffeur Uber. Ici, l'autoroute traverse la ville,
dit-il en accélérant. Le soleil se couche, un vol d'oiseaux se profile à contre-jour.
Nous repartons en promenade. Encore une fois, cela n'a aucun sens et n'est pas du tout amusant. Il fait beaucoup trop
chaud, trop de bruit et il n'y a rien à voir. Je photographie quelques enseignes de magasins d'alcool en néons,
sinon il n'y a ici que du béton réfléchissant la chaleur.
Puis soudain, une rue verte et des maisons de rêve. Je ne sais pas si c'est le rêve américain ou le désir
universel de posséder un terrain et d'avoir de beaux cafés à proximité. Ce qui nous a amenés ici, c'est
mon envie de chercher des trésors dans les magasins d'occasion. Houston est une ville vintage sous-estimée.
Je vais acheter plus tard une valise encore neuve dans laquelle je rangerai mes trouvailles faites chez
Goodwill. Trois costumes, Brooks Brothers, Calvin Klein et Oscar de la Renta. Des chemises, des polos et
des cravates. J'essaie sans cesse des bottes de cow-boy, mais aucune paire ne me va, même si elles sont
à ma taille. Plus tard, au bar, je fais la connaissance de tous les clients. Chaque fois que je me
présente, je dis : « Je suis Cowboy-Cendrillon. » Ce n'est que le lendemain matin que je me rends
compte que la blague n'a aucun sens, car Cendrillon, elle, trouve chaussure à son pied. Mais tout
La nuit, je rêve de succès et de richesse. Je me réveille avant le lever du soleil.
Je regarde par la fenêtre, dehors c'est l'aube, dans mon estomac il y a beaucoup de viande.
(...)
SEPTEMBER 2025 / TRAVELNOTE / READING TOUR IN THE US
TACOS, GUNS, NO COXBOYBOOTS
Texas looks different than I imagined, and I saw more cowboy hats at the airport in
Miami than here in Houston, where we are waiting for our luggage. I bought another suitcase and am now
unsure what the new suitcase looks like. Sonali recognizes it and laughs at me.
Houston is a great city to drive in, says our Uber driver. Here, the highway runs right through the city,
he says and accelerates. The sun is just setting, a flock of birds flying against the light.
We're going for another walk. Once again, it makes no sense and is no fun at all. It's way too hot, too loud,
and there's nothing to see. I take a few photos of neon liquor store signs; otherwise, there's nothing here but
heat-reflecting concrete.
Then suddenly, a green street and dream houses. I don't know if this is the American dream or the universal
desire for property and nice cafes within walking distance. What brought us here is my desire to search for
treasures in thrift store halls.
Houston is underrated as a vintage city. Later, I'll buy a new suitcase to store my Goodwill finds. Three suits,
Brooks Brothers, Calvin Klein, and Oscar de la Renta. Shirts, polos, and ties. I keep trying on cowboy boots, but
none of them fit me, even though they're actually my size. Later, at the bar, I get to know everyone there.
Whenever I introduce myself, I say: I am Cowboy Cinderella. It's not until the next morning that I realize the
joke doesn't make sense, because Cinderella's shoe fits. Everyone laughed anyway.
At night, I dream of success and wealth. I wake up before sunrise. I stare out of the window, dawn outside, my
stomach full of meat.
(...)
SEPTEMBER 2025 / REISENOTIZ / LESEREISE IN DEN USA
TACOS, WAFFEN, KEINE COWBOYBOOTS
Texas sieht anders aus, als ich es mir vorgestellt habe und Cowboyhüte haben ich auf mehr
Köpfen am Flughafen in Miami gesehen als hier in Houston, wo wir auf unser Gepäck warten. Ich habe mir noch einen
Koffer gekauft und bin mir gerade nicht mehr sicher, wie der neue Koffer aussieht. Sonali erkennt ihn und lacht mich aus.
Houston ist eine tolle Stadt um Auto zu fahren, sagt unser Uber-Fahrer. Hier führt der Highway direkt durch die Stadt,
sagt er und beschleunigt. Die Sonne geht gerade unter, im Gegenlicht ein Vogelschwarm.
Wir gehen schon wieder spazieren. Schon wieder macht das überhaupt gar keinen Sinn oder Spaß. Es ist viel zu heiß,
zu laut und es gibt nichts zu sehen. Ich fotografiere ein paar Liquor-Store-Schilder aus Neonröhren, sonst ist hier nur
hitzereflektierender Beton.
Dann auf einmal eine grüne Straße und Traumhäuser. Ich weiß nicht ob das der amerikanische Traum ist oder der universelle
Wunsch nach Grundbesitz und schönen Cafés in Laufweite. Was uns hier hergebracht hat ist mein Wunsch in Thrift-Store-Hallen
nach Schätzen zu suchen. Houston ist als Vintage-Stadt unterschätzt. Ich werde mir später einen noch neuen Koffer
kaufen, in dem ich die Goodwill-Fundstücke verstaue. Drei Anzüge, Brooks Brothers, Calvin Klein und Oscar de la Renta.
Hemden, Polos und Krawatten. Immer wieder probiere ich Cowboyboots, aber es passt mir kein einziges Paar, selbst, wenn
sie eigentlich in meiner Größe sind. Später in der Bar lerne ich die ganze Bar kennen. Immer wenn ich mich vorstelle,
sage ich: I am Cowboy-Cinderella. Erst am nächsten Morgen fällt mir auf, dass der Witz keinen Sinn macht, denn Cinderella
passt ja der Schuh. Gelacht haben alle trotzdem.
In der Nacht träume ich von Erfolg und Reichtum. Ich wache auf, bevor die Sonne aufgeht. Ich starre aus dem Fenster,
draußen die Dämmerung, in meinem Magen das viele Fleisch.
(...)
SEPTEMBRE 2025 / TEMPS DE VOYAGE / TOURNÉE DE LECTURE AUX ÉTATS-UNIS
APRÈS SOLEIL
Il y a une boule dans les airs. Elle descend lentement, il n'y a pas d'étoiles dans le ciel.
La boule tourne au ralenti.
Soudain, nous tombons de quelques mètres. C'est normal, dit le pilote, maisj'ai peurde voler. Sonali me tient
la main, je lui fais mal, mais elle sourit. Les vols en Floride sont turbulents, dit mon voisin de siège.
Jusqu'à présent, il dormaitappuyécontre la fenêtre, avec un terrain de golf en contrebas. Sur l'héliport,
on peut lire TRUMP. De l'autre côté, la mer.
Hé, je n'ai jamais été dans un hôtel aussi incroyable, dit Sonali dans l'ascenseur ; et toi ? On nous a pris
nos bagages, j'ai encore une valise de plus et je ne peux de toute façon plus tout porter tout seule. J'ai déjà
trouvé où se trouve un Goodwill à Miami. Mais en voyant les autres clients de l'hôtel, je n'ai pas beaucoup
d'espoir. Dans ma chambre, je bois le Bellini de bienvenue que nous avons reçu à la réception et je réfléchi
aux visages de Mar-a-Lago.
Depuis la piscine sur le toit de l'hôtel, on peut voir la mer. L'eau est calme, on n'entend pas le bruit des
vagues, seule la musique pop est agaçante et la bière est chère, mais elle vient d'Italie. La vie est belle.
Le soleil brille. J'ignore les regards que suscite mon maillot de bain rouge moulant. Je suis européen,
me dis-je en haussant les épaules. Une autrePeroni, monsieur ? Bien sûr, réponds-je.
Des milliers de livres interdits en Floride, et la tendance est à la hausse. C'est plutôt sympa, me dis-je.
Qu'ils aient peur des livres. Cela signifie aussi que la littérature a du pouvoir. On peut aussi voir les
choses ainsi, me dis-je en regardant ce qui se trouve sur l'étagère des livres interdits. Puis je ne
peux m'empêcher de rire. Interdire le journal d'Anne Frank à cause de passages sexuellement explicites,
c'est quand même assez ridicule.
Chez Books&Books, des livres d'auteurs allemands ont été exposés. Pour vous, dit la libraire. Nous lirons
ici plus tard. Sonali tient le livre d'un de nos professeurs dans ses mains, puis me letend. Je l'ouvre,
puis le referme. Plutôt difficile, je trouve. Entre l'institut littéraire et ici, un océan.
(...)
SEPTEMBER 2025 / TRAVELNOTE / READING TOUR IN THE US
AFTER SUN
There's a ball in the air. It slowly descends, no stars in the sky. The ball spins in slow motion.
Suddenly, we fall a few meters. That's normal, says the pilot, but I'm afraid of flying. Sonali holds my hand,
I hurt her, but she smiles. Florida flights are bumpy, says the person sitting next to me. Until just now, he was
leaning against the window, asleep, with a golf course below. TRUMP is written on the helicopter landing pad.
On the other side is the sea.
Hey, I've never been to such an amazing hotel, says Sonali in the elevator; have you? Our luggage has been taken from us,
I have another suitcase and can't carry it all on my own anyway. I've already found out where there's a Goodwill in Miami.
But looking at the other hotel guests, I don't have much hope. In my room, I drink the welcome Bellini we got at reception
and think about Mar-a-Lago faces.
You can see the sea from the pool on the hotel roof. The water is calm, you can't hear the sea, only the annoying
pop music, and the beer is expensive, but it's from Italy. Life is good. The sun is shining. I ignore the stares
because of my skimpy red Speedo. I am European, I think, and shrug my shoulders. Another Peroni, sir? Sure, I say, sure.
Thousands of banned books in Florida, and the number is rising. It's kind of nice, I think. That they're afraid of books.
It means that literature does have power after all. That's one way of looking at it, I think, as I
look at the shelf of banned books. Then I have to laugh. Banning Anne Frank's diaries because of
sexually explicit passages is pretty ridiculous.
At Books&Books, books by German authors are on display. For you, says the bookseller. We'll read here later.
Sonali holds the book by one of our professors in her hands, then gives it to me. I open it, then close it.
Pretty heavy, I think. Between the literary institute and here, an ocean.
(...)
SEPTEMBER 2025 / REISENOTIZ / LESEREISE IN DEN USA
AFTER SUN
Da ist ein Ball in der Luft. Er senkt sich langsam, am Himmel keine Sterne. Der Ball dreht sich in Zeitlupe.
Plötzlich fallen wir ein paar Meter. Das ist normal, sagt der Pilot, aber ich habe Flugangst. Sonali hält
meine Hand, ich tue ihr weh, aber sie lächelt. Florida Flights are bumpy, sagt mein Sitznachbar. Bis eben hat er
noch am Fenster gelehnt geschlafen, unten am Boden eine Golflandschaft. Auf dem Helikopterlandeplatz steht TRUMP.
Auf der anderen Seite das Meer.
Ey, ich war noch nie in so einem krassen Hotel, sagt Sonali im Fahrstuhl; Du? Unser Gepäck wurde uns abgenommen,
ich habe schon wieder einen Koffer mehr und kann das alles sowieso nicht mehr alleine tragen. Ich habe
schon herausgefunden, wo auch in Miami ein Goodwill ist. Aber mit Blick auf die anderen Hotelgäste mache
ich mir wenig Hoffnung. Auf meinem Zimmer trinke ich den Begrüßungs-Bellini, den wir am Empfang bekommen
haben und denke über Mar-a-Lago-Faces nach.
Vom Pool auf dem Hoteldach aus kann man das Meer sehen. Das Wasser ist still, das Meer ist nicht zu hören,
nur die Popmusik nervt und das Bier ist teuer, aber aus Italien. Life is good. Die Sonne scheint.
Die Blicke wegen meiner knappen, roten Speedo ignoriere ich. I am European, denke ich und zucke mit
den Schultern. Another Peroni, Sir? Sure, sage ich, sure.
Tausende verbotene Bücher in Florida, Tendenz steigend. Schön irgendwie, denke ich. Dass sie Angst
vor Büchern haben. Das heißt ja auch, dass Literatur eben doch Macht hat. So kann man das ja
auch sehen, denke ich, während ich mir anschaue, was im Regal mit verbotenen Büchern steht. Dann
muss ich lachen. Anne Franks Tagebücher wegen sexuell expliziten Stellen zu verbieten, ist schon ziemlich lächerlich.
Bei Books&Books wurden Bücher deutscher Autor*innen ausgelegt. Für euch, sagt die Buchhändlerin.
Wir werden später hier lesen. Sonali hält das Buch von einem unserer Professoren in den Händen,
dann gibt sie es mir. Ich öffne es, dann mache ich es zu. Ganz schön schwer, denke ich. Zwischen
dem Literaturinstitut und hier, ein Ozean.
(...)
SEPTEMBRE 2025 / TEMPS DE VOYAGE / TOURNÉE DE LECTURE AUX ÉTATS-UNIS
MESSI, MESSI, MESSI
Messi, Messi, Messi.
Messi, Messi, Messi.
Sinon : tous les habitants de Miami nous disent à quel point ils détestent leur ville.
Et la plage, les coups de soleil.
Et les crocodiles
(...)
SEPTEMBER 2025 / TRAVELNOTE / READING TOUR IN THE US
MESSI, MESSI, MESSI
Messi, Messi, Messi.
Messi, Messi, Messi.
Otherwise: Everyone from Miami tells us how much they hate the city.
And the beach, sunburn.
And alligators.
(...)
SEPTEMBER 2025 / REISENOTIZ / LESEREISE IN DEN USA
MESSI, MESSI, MESSI
Messi, Messi, Messi
Messi, Messi, Messi.
Ansonsten: Alle aus Miami sagen uns, wie sehr sie die Stadt hassen.
Und Strand, Sonnenbrand.
Und Krokodile.
(...)
SEPTEMBRE 2025 / TEMPS DE VOYAGE / TOURNÉE DE LECTURE AUX ÉTATS-UNIS
LES TEMPS, LES TEMPS
Vue d'en haut, la Floride est principalement constituée d'eau, sinon de
surfaces, comme partout ailleurs. Au sol, il fait chaud, l'air qui nous entoure est humide.
«Anyone who offers you a ride, should not give you a ride », peut-on lire sur les panneaux
installés dans la zone Kiss and Ride de l'aéroport. Ce n'est qu'après avoir pris la sortie
que nous remarquons que nous ne sommes pas dans notre Uber. « Vous devez toujours demander
à l'avance où va la voiture dans laquelle vous montez », dit le chauffeur.
La nuit est éclairée. Nous traversons des parkings. Un flot d'eau s'écoule des égouts, tout le
monde en voiture, les phares éclairent les palmiers.
Orlando est grand, l'université ici est la plus grande du pays. On nous fait visiter les lieux.
On est assis dans une voiturette de golf, notre conductrice roule aussi vite que des étudiants
en retard. De temps en temps, elle doit klaxonner, car un étudiant saute devant nous et atterrit
dans les buissons. Plus loin, des jeunes sautent dans un étang au milieu duquel se trouve un
spectacle de fontaines.
Sonali et moi enregistrons un podcast. Je bute parfois sur mon anglais, tandis que Sonali est,
une fois de plus, parfaite et plus vive d'esprit que moi. Si seulement je pouvais réfléchir
plus vite, me dis-je, mais…
(...)
SEPTEMBER 2025 / TRAVELNOTE / READING TOUR IN THE US
TIME, TIME
Seen from above, Florida is mostly water, otherwise flat land, like everywhere else.
It's warm on the ground, the air envelops us with humidity. “Anyone who offers you a ride should not give
you a ride,” say the signs in the airport's kiss-and-ride zone. Only after we've taken the exit do we
realize that we're not in our Uber. You always have to ask where the car you're getting into is going, says the driver.
The night is bright. We walk across parking lots. Water flows from gutters, no one without a car, headlights
shining on palm trees.
Orlando is big; the university here is the largest in the country. We get a tour. We sit in a golf cart,
our driver driving as fast as students running late. Every now and then she has to honk her horn; a student
jumps out of the way in front of us and lands in the undergrowth. Further back, young people jump into a
pond with a fountain show in the middle.
Sonali and I are recording a podcast. I stumble over my English from time to time, while Sonali is once
again perfect and quicker-witted than me. If only I could think faster, I think, but…
(...)
SEPTEMBER 2025 / REISENOTIZ / LESEREISE IN DEN USA
DIE ZEIT, DIE ZEIT
Florida von oben betrachtet ist vor allem Wasser, sonst Fläche, wie überall.
Am Boden ist es warm, die Luft umhüllt uns feucht. Anyone who offers you ride, should not
give you a ride, steht auf Aufstellschildern in der Kiss-and-Ride-Zone des Flughafens.
Erst nachdem wir die Ausfahrt genommen haben bemerken wir, dass wir nicht in unserem Uber
sitzen. Ihr müsst immer vorher fragen, wohin das Auto fährt, in das ihr steigt, sagt der Fahrer.
Erleuchtet ist die Nacht. Wir gehen über Parkplätze. Aus Gullys fließt ein Strom, niemand ohne Auto,
Scheinwerfer auf Palmen.
Orlando ist groß, die Universität hier ist die größte des Landes. Wir bekommen eine Tour. Wir
sitzen in einem Golfcar, unsere Fahrerin fährt so schnell, wie zu spät kommende Studierende.
Ab und zu muss sie hupen, vor uns springt ein Student aus dem Weg und landet im Gestrüpp.
Weiter hinten springen junge Menschen in einen Teich, in den dessen Mitte eine Fontänenshow.
Sonali und ich nehmen einen Podcast auf. Ich stolpere ab und zu über mein Englisch, Sonali mal
wieder perfekt und schlagfertiger als ich. Wenn ich nur schneller denken könnte, denke ich, aber…
(...)
SEPTEMBRE 2025 / TEMPS DE VOYAGE / TOURNÉE DE LECTURE AUX ÉTATS-UNIS
ET MAINTENANT, LA MÉTEO
Et maintenant, la météo,
à Athens, en Géorgie –
ilfait chaud ici, lourd ;
vent, costume, ampoules dans les mocassins en cuir,
lapoitrine respire à travers la chemise en lin,
laroute mène hors de la ville ; – dehors, la nuit –
gouttessur le revêtement, larmes de gel pour les cheveux,
nids-de-poule dans la rue, pas de librairie.
Agitation sur le campus, demain c'est le grand match.
You got one shot.
Le soleil se couche à l’ouest.
Nuit silencieuse, insectes, deux promeneurs se croisent avec méfiance.
(...)
SEPTEMBER 2025 / TRAVELNOTE / READING TOUR IN THE US
AND NOW THE WEATHER
And now the weather,
in Athens, Georgia—
warm here, oppressive;
wind, suit, blisters in leather loafers,
chest breathing through linen shirt,
road leading out of town;—outside, night—
drops on the patrol car, tears of hair gel,
holes in the road, no bookstore.
Unrest on campus, tomorrow is the big game.
You got one shot.
The sun sets in the west.
Silent night, insects, two walkers meet with suspicion.
(...)
SEPTEMBER 2025 / REISENOTIZ / LESEREISE IN DEN USA
UND NUN DAS WETTER
Und nun das Wetter,
in Athens, Georgia –
warm hier, drückend;
Fahrtwind, Anzug, Blasen in den Lederslippern,
die Brust atmet durchs Leinenhemd,
die Straße führt aus der Stadt; – draußen die Nacht –
Tropfen auf dem Reviers, Haargeltränen,
Löcher in der Straße, kein Buchladen.
Unruhe am Campus, morgen ist das große Spiel.
You got one shot.
Westlich geht die Sonne unter.
Stille Nacht, Insekten, zwei Spaziergänger begegnen sich mit Misstrauen.
(...)
SEPTEMBRE 2025 / TEMPS DE VOYAGE / TOURNÉE DE LECTURE AUX ÉTATS-UNIS
THÉÂTRE D’AUTEUR
Nous cherchons la gare routière de Charlotte. Elle devrait être quelque part
par ici, dit le chauffeur Uber. Je ne connais personne qui prenne le bus, dit-il en haussant les
épaules. Puis nous descendons. Ma valise est désormais ridiculement lourde. Au loin, nous voyons un bus vert
partir. Je pensais que nous prenions Greyhound, dit Sonali. Flixbus a racheté Greyhound, lui réponds-je.
J'avais aussi rêvé d'un vieux bus. Hier, avant de m'endormir, j'ai lu On the Road dans mon lit d’hôtel.
La gare routière est presque déserte. Il y a un guichet, mais la fenêtre est recouverte de vieux cartons Amazon.
Deux personnes dorment sur les bancs, elles ont des sacs plus grands que les miens. Dans un coin, la lumière d'un
distributeur automatique de snacks clignote. À côté, un homme regarde fixement un micro-ondes fixé au mur, dans
lequel tourne un cheeseburger provenant du distributeur.
Je regarde par la fenêtre et réfléchis. Puis je m'endors. Quand je me réveille, nous tournons dans un parking où
des gens campent également. À côté de la station-service, un feu de camp brûle. Nous avons 15 minutes pour acheter
des snacks, dit la conductrice du bus. Je prends une bière fraîche et un Coca Light chaud, car seuls ceux avec du
sucre sont réfrigérés. Je ne veux pas de snacks, car ils ont tous une couleur qu'ils ne devraient pas avoir.
(...)
SEPTEMBER 2025 / TRAVELNOTE / READING TOUR IN THE US
PLAYWRIGHT THEATRE
We are looking for the bus station in Charlotte. It should be somewhere around here,
says the Uber driver. I don't know anyone who takes the bus, he says and shrugs his shoulders. Then we
get out. My suitcase is ridiculously heavy by now. In the distance, we see a green bus pulling away.
I thought we were taking Greyhound, says Sonali. Flixbus bought Greyhound, I say. I had also dreamed
of an old bus. Yesterday, before falling asleep, I read On the Road in my hotel bed.
The bus station is almost deserted. There is a ticket counter, but the window is taped shut with old Amazon
packaging. Two people are sleeping on the benches, carrying bags that are bigger than mine. In the corner,
the light of a snack vending machine flickers. Next to it stands a man staring at a microwave chained to
the wall, in which a cheeseburger from the vending machine is spinning.
I look out the window and think. Then I fall asleep. When I wake up, we are turning into a parking lot,
where people are also camping. A campfire is burning next to the gas station. We have 15 minutes to get
snacks, says the bus driver. I get a cold beer and a warm Diet Coke; the only ones that are cold are the
ones with sugar. I don't want any of the snacks because they all have a color they shouldn't have.
(...)
SEPTEMBER 2025 / REISENOTIZ / LESEREISE IN DEN USA
AUTORENTHEATER
Wir suchen den Busbahnhof in Charlotte. Er müsste irgendwo hier sein, sagt der Uberfahrer.
Ich kenne niemanden, der mit dem Bus fährt, sagt er und zuckt mit den Schultern. Dann steigen wir aus. Mein
Koffer ist mittlerweile lächerlich schwer. In der Ferne sehen wir einen grünen Bus abfahren. Ich dachte
wir fahren Greyhound, sagt Sonali. Flixbus hat Greyhound gekauft, sage ich. Ich hatte auch von einem
alten Bus geträumt. Gestern vor dem Einschlafen habe ich im Hotelbett in On the Road gelesen.
Der Busbahnhof ist nahezu verlassen. Es gibt einen Schalter, aber das Fenster ist mit dem Karton alter
Amazon-Pakete abgeklebt. Auf den Bänken schlafen zwei Menschen, die größere Taschen zu tragen haben, als
ich. In der Ecke flackert das Licht eines Snackautomaten. Daneben steht ein Mann und starrt in eine an die
Wand gekettete Mikrowelle, in der sich ein Cheeseburger aus dem Automaten dreht.
Ich schaue aus dem Fenster und denke nach. Dann schlafe ich ein. Als ich aufwache biegen wir gerade
auf einen Parkplatz, auch hier campieren Menschen. Neben der Tankstelle brennt ein Lagerfeuer.
Wir haben 15 Minuten um uns Snacks zu holen, sagt die Busfahrerin. Ich hole mir ein kaltes Bier und
eine warme Diet Coke, gekühlt gibt es nur die mit Zucker. Von den Snacks will ich nichts, weil
die alle eine Farbe haben, die sie nicht haben sollten.
(...)
SEPTEMBRE 2025 / TEMPS DE VOYAGE / TOURNÉE DE LECTURE AUX ÉTATS-UNIS
FREE SPEECH ON THE FREEWAY
Nous décollons de l'aéroport national Ronald Reagan de Washington et survolons le Pentagone.
Nous atterrissons ensuite en Caroline du Nord. Le soir, je mange ce qui me réchauffe le cœur. Je trempe
le beignet blanc et gras dans la soupe d'okra. Si je laisse la pâte trop longtemps dans le liquide, je
la perds en la portant à ma bouche. Ma chemise Dolce & Gabbana est déjà tachée à plusieurs endroits. Le
serveur sympathique me recommande ce que sa mère lui préparait toujours quand il était triste, et j'ai
bien besoin de me remonter le moral. Il m'apporte un gâteau au saumon, des haricots verts et de la purée
de maïs. Je bois une IPA locale pour accompagner le tout. Elle coule glacée dans mon œsophage, mais
reste chaude dans mon estomac. Dans le restaurant, les gens rient, dehors, il n'y a presque personne
dans la rue. Il n'y a pas de places assises.
Le lendemain matin, nous sommes à nouveau dans un Uber. Notre chauffeur est sympathique.
Il a envie de discuter. Nous avons une heure et demie de route devant nous et il y a des
embouteillages sur l'autoroute. Tout comme nous, notre conversation s'est enrayée après
que notre chauffeur nousaitdit qu'il avait une arme dans la portière côté passager, au
cas où il y aurait des problèmes, selon lui, et un fusil de chasse dans le coffre, car
il devait se rendre en ville et que Charlotte est gouvernée par les démocrates. Nous
essayons donc d'éviter les ennuis et avons entre-temps quitté la ville.
(...)
SEPTEMBER 2025 / TRAVELNOTE / READING TOUR IN THE US
FREE SPEECH ON THE FREEWAY
We take off from Ronald Reagan Washington National Airport and fly over the Pentagon.
Later, we land in North Carolina. In the evening, I eat something that warms my soul. I dip the white,
greasy pastry into the okra soup. If I leave the dough in the liquid for too long, I lose it on the way
to my mouth. My Dolce & Gabbana shirt already has several stains. The friendly waiter recommends what
his mother always made for him when he was sad, and I could use cheering up. He brings me salmon cake,
green beans, and cornmeal porridge. I drink the local IPA with it. It runs ice-cold down my esophagus,
but stays warm in my stomach. People are laughing in the restaurant, but there's hardly anyone on the
street outside. There are no seats available.
The next morning, we're back in the Uber. Our driver is nice. He feels like chatting. We have
an hour and a half ahead of us, and there's a traffic jam on the freeway. Like us, our conversation
has stalled after our driver tells us that he has a gun in the passenger door in case there is
trouble, as he says, and a shotgun in the trunk because he had to go into town and Charlotte is
governed by the Democrats. So we try to avoid trouble and have now left the city.
(...)
SEPTEMBER 2025 / REISENOTIZ / LESEREISE IN DEN USA
FREE SPEECH ON THE FREEWAY
Wir verlassen am Ronald Reagan Washington National Airport den Boden und fliegen über
das Pentagon. Später landen wir in North Carolina. Abends esse ich, was mir die Seele wärmt. Das weiße,
fettige Gebäck tauche ich in die Okrasuppe. Wenn ich den Teig zu lange der Flüssigkeit aussetze, verliere
ich ihn auf dem Weg zum Mund. Mein Dolce und Gabbana Hemd hat schon mehrere Flecken. Der nette Kellner
empfiehlt mir, was seine Mutter immer für ihn gemacht hat, wenn er traurig war und ich kann eine
Aufheiterung gebrauchen. Er bringt mir Lachskuchen, grüne Bohnen und Maisbrei. Dazu trinke ich das lokale
IPA. Eiskalt läuft es mir die Speiseröhre herunter, in meinem Magen bleibt es warm. Im Lokal lachen die
Menschen, draußen ist kaum jemand auf der Straße. Es gibt keine Sitzmöglichkeiten.
Am nächsten Morgen sitzen wir mal wieder im Uber. Unser Fahrer ist nett. Er hat Lust sich zu
unterhalten. Wir haben eineinhalb Stunden vor uns und auf dem Freeway gibt es einen Stau. So wie
wir, ist auch unsere Unterhaltung gerade ins Stocken geraten, nachdem uns unser Fahrer gesagt hat,
dass er eine Waffe in der Beifahrertür hat, falls es Ärger geben sollte, wie er meint und eine Shotgun
im Kofferraum, weil er in die Stadt musste und Charlotte von den Demokraten regiert wird. Also
versuchen wir Ärger zu vermeiden und die Stadt haben wir mittlerweile verlassen.
(...)
SEPTEMBRE 2025 / TEMPS DE VOYAGE / TOURNÉE DE LECTURE AUX ÉTATS-UNIS
LES AMÉRICAINS ARMÉS, LES ALLEMANDS SANS PERMIS DE CONDUIRE ET L’ART DE PERDRE SON EMPLOI
À la gare de Washington, D.C., des soldats nous accueillent. Ils patrouillent dans le hall d'entrée.
Le bruit des roulettes de nos valises couvre le bruit de leurs pas. « Ils ressemblent aux garçons dans la cour de
récréation », dit Sonali. « Oui, réponds-je, avant, j'aurais eu peur qu'ils me frappent. Les mitrailleuses ne me
font pas peur, mais je ne me sens vraiment pas en sécurité. Dehors, il fait nuit. Au loin, le Capitole brille de
mille feux. Nous attendons l'Uber qui nous conduira à l'hôtel, nous montons à bord, ma valise est encore plus
lourde. Je suis la voiture sur la carte. Notre hôtel n'est qu'à un quart d'heure de la Maison Blanche. Je vais
me promener ce soir, dis-je à Sonali.Moi, je vais directement me coucher, répond-elle.
« Comment ça s'est passé hier ? » me demande Sonali au petit-déjeuner. « C'est plus petit qu'on ne
le pense, même si on s'attend à ce que ce soit plus petit que ce qu'on pensait », lui réponds-je.
« Et alors ? » demande-t-elle. « Je n'ai rien d'autre à dire », lui réponds-je. « Je ne sais pas
non plus, le pouvoir ne se voit pas, le pouvoir se ressent », lui dis-je. Nous commençons à
nouveau la journée avec un repas gras et un café léger. On se croirait chez soi, dit Sonali.
Nous ne sommes jamais restés aussi longtemps au même endroit, mais je ne me sens pas chez moi ici.
Il y a une piscine devant l'hôtel. Le soleil brille, mais la piscineestfermée après le Labor Day.
Cool, une piscine ! s'écrie un enfant dans le hall. C'est trop tard, mon chéri, répond sa mère.
Nous partons à la campagne. Nous sommes désormais habitués à Uber. Sonali dort, je regarde par la
fenêtre. À l'avant, sur le tableau de bord, un petit drapeau américain flotte dans le vent de la
climatisation. Une heure et demie plus tard, nous arrivons en Virginie. On nous demande souvent
ce que nous faisons ici, à la librairie, dans la boutique de souvenirs et d'articles de plein
air, à la brasserie, en mangeant un hamburger, et nous nous posons aussi la question. Je crois
que le plan était de découvrir le pays. De plus, une bataille de la guerre civile a eu lieu ici,
de nombreux morts y sont enterrés. Washington semble loin d'ici et la nouvelle guerre civile,
dont on parle tous les jours à la télévision, n'a pas lieu ici, n'est-ce pas ? C'est calme ici.
C'est ce que nous disent tous ceux à qui nous parlons. Et que peut-on faire ici ? Tout le monde
nous répond : de la randonnée. Nous partons donc en promenade.
(...)
SEPTEMBER 2025 / TRAVELNOTE / READING TOUR IN THE US
AMERICANS WITH GUNS, GERMANS WITHOUT DRIVERS LICENSE & THE ART OF LOSING JOBS
At the train station in Washington, D.C., soldiers welcome us. They patrol through
the entrance hall. The echo of rolling suitcases drowns out their footsteps. “They look like the boys on
the schoolyard back then,” Sonali says. “Yeah,” I say, “back then I’d be scared they’d beat me up.” The
machine guns don’t scare me, but I definitely don’t feel safe. Outside, it’s dark. In the distance, the
Capitol glows. We wait for the Uber to the hotel, we get in, my suitcase has grown heavier again.
I follow the car on the map. From our hotel to the White House it’s only a fifteen-minute walk.
“I’ll go for a walk tonight,” I tell Sonali. “I’m only going to bed,” she says.
“And how was it yesterday?” Sonali asks me at breakfast. “It’s just smaller than you expect, even though
you expect it to be smaller than you would have expected,” I say. “And?” she asks. “That’s all I have
to say,” I reply. “I don’t know either—power can’t be seen, you feel it,” I say. We start the day
again with greasy food and weak coffee. “It feels like you’re kind of at home somewhere,” Sonali
says. We haven’t stayed anywhere this long yet, but I’m not at home here.
Outside the hotel there’s a pool. The sun is shining, but the pool stays closed after Labor Day. “Cool, a
pool!” a kid shouts in the lobby. “It is too late, sweetheart,” his mother says.
We drive out into the countryside. By now, we’re spoiled by Ubers. Sonali sleeps, I look out the window.
A small U.S. flag flutters on the dashboard in the wind of the air conditioning. An hour and a half
passes, then we’re in Virginia. “What are you doing here?” we’re asked again and again—in the
bookstore, in the outdoor and souvenir shop, in the brewery, while eating burgers—and we ask
ourselves the same thing. I think the plan was to see the countryside. Also, a Civil War battle
took place here, many of the dead are buried here. Washington feels far away, and the new civil
war they talk about on TV every day is not happening here—or is it? It’s quiet here. That’s what
everyone we talk to says. And what is there to do? Everyone tells us: hiking. So we go for a walk.
(...)
SEPTEMBER 2025 / REISENOTIZ / LESEREISE IN DEN USA
AMERICANS WITH GUNS, GERMANS WITHOUT DRIVERS LICENSE & THE ART OF LOSING JOBS
Am Bahnhof in Washington, D.C. begrüßen uns Soldaten. Sie patrouillieren durch die
Eingangshalle. Das Echo der Rollkofferrollen übertönt ihre Schritte. Sie sehen aus, wie die Jungs
früher auf dem Schulhof, sagt Sonali. Ja, sage ich, früher hätte ich Angst, dass sie mich verprügeln.
Die Maschinengewehre machen mir keine Angst, aber ich fühle mich definitiv nicht sicher. Draußen ist
es dunkel. In der Ferne leuchtet das Capitol. Wir warten auf das Uber zum Hotel, wir steigen ein, mein
Koffer ist schon wieder schwerer geworden. Ich folge dem Auto auf der Karte. Von unserem Hotel zum
Weißen Haus ist es nur eine Viertelstunde. Ich gehe heute Nacht noch spazieren, sage ich zu Sonali.
Ich gehe heute nur noch ins Bett, sagt sie.
Und wie war es gestern? fragt mich Sonali beim Frühstück. Es ist halt kleiner, als man denkt, obwohl
man denkt, dass es kleiner sein wird, als man gedacht hat, sage ich. Und? fragt sie. Mehr habe ich
nicht zu sagen, sage ich. Ich weiß doch auch nicht, Macht kann man nicht sehen, Macht spürt man,
sage ich. Wir beginnen den Tag schon wieder mit fettigem Essen und dünnem Kaffee. Es fühlt sich
an, als wäre man irgendwo zuhause, sagt Sonali. So lange waren bisher noch nicht an einem Ort,
aber ich bin hier nicht zuhause.
Draußen vor dem Hotel ist ein Pool. Die Sonne scheint, aber der Pool bleibt nach
Labor Day geschlossen. Cool, a Pool! ruft ein Kind in der Lobby. It is too late,
Sweetheart, sagt seine Mutter.
Wir fahren aufs Land. Mittlerweile sind wir Uber-verwöhnt. Sonali schläft, ich schaue
aus dem Fenster. Vorne am Armaturenbrett weht eine kleine US-Flagge im Wind der Klimaanlage.
Eineinhalb Stunden vergehen, dann sind wir in Virgina. Was macht ihr hier, werden wir oft gefragt,
im Buchladen, im Outdoor- und Souvenirshop, in der Brauerei, beim Burger-Essen und wir fragen uns
das auch. Ich glaube der Plan war das Land zu sehen. Außerdem hat hier eine Schlacht des
Bürgerkriegs stattgefunden, hier liegen viele Tote begraben. Washington fühlt sich hier fern
an und der neue Bürgerkrieg, von dem täglich im Fernsehen gesprochen wird, der findet nicht hier
statt, oder doch? Es ist ruhig hier. Das sagen uns auch alle, mit denen wir sprechen. Und was
kann man hier machen? Alle sagen uns: Wandern. Also gehen wir spazieren.
(...)
SEPTEMBRE 2025 / TEMPS DE VOYAGE / TOURNÉE DE LECTURE AUX ÉTATS-UNIS
LIVE
Je viens d'atterrir à Philadelphie, je prends un Uber pour rejoindre l'hôtel où nous
avons déjà séjourné il y a quelques nuits, mais cette fois-ci, la vue est différente. J'enfile un short.
Le soleil brille. Je ne porte pas de chaussettes dans mes mocassins en cuir. Les rues dePhillysont pleines
de gens qui ont envie de profiter de la vie. Une fête de rue queer, de la musique, quelques personnes qui
dansent. Je les regarde, puis je regarde mon téléphone, puis je tourne au coin de la rue.
Les serveurs du restaurant allemand portent des culottes de cuir ou des costumes traditionnels
qui n'ont rien de traditionnel. Les tissus donnent l'impression qu'il ne faut pas s'approcher
trop près du feu avec. Il fait si froid dans le restaurant que les poils de mes jambes se
hérissent. Je m'assois au comptoir et j'essaie d'expliquer au serveur quel match je veux
regarder – du football allemand, lui dis-je, et il me tend la télécommande. Après avoir
trouvé la chaîne de la Bundesliga, Aleksandar Pavlovic marque le 2-0 pour le FC Bayern
Munich contre mon club préféré. Nous sommes à la neuvième minute du match. Mon front
repose sur le plateau en bois poli, une serveuse pose un verreBeck'srempli deJeverPilsà côté.
« Ça va, chéri ? Oui, c'est juste que mon équipe est en train de perdre », dis-je. Ah, c'est
nul, dit-elle. Oui, ils sont nuls, dis-je. Mais ils viennent d'être relégués après avoir
essayé pendant sept ans et maintenant, nous sommes là où nous devons être, tu sais, dis-je,
mais elle est déjà en train d'emporter un jarret de porc.
(...)
SEPTEMBER 2025 / TRAVELNOTE / READING TOUR IN THE US
LIVE
Just landed in Philadelphia, Uber to the hotel we stayed in a few nights ago,
but this time the view is different. I put on a pair of shorts. The sun is shining. I’m not wearing
socks in my leather loafers. The street in Philly is full of people in the mood for life. A queer
street festival, music, some people dancing. I watch them, then I look at my phone, then I turn the corner.
The staff at the German restaurant are wearing lederhosen or traditional costumes that have no actual
tradition. The fabrics look like they shouldn’t come anywhere near fire. Inside the place it’s so cold
that the hair on my legs stands up. I sit at the bar and try to explain to the waiter which match I
want to watch—German football, I say, and he hands me the remote. After I find the Bundesliga
channel, Aleksandar Pavlovic scores the 2–0 for FC Bayern Munich against the club I hold
closest to my heart. It’s the ninth minute of the match. My forehead rests on the polished
wooden bar, a waitress sets down a Beck’s glass filled with Jever Pils next to me.
“Are you okay, honey?” “Yes, it is just that my team is losing,” I say. “Ah, that
sucks,” she says. “Yeah, they suck,” I say. “But they just got relegated after
trying it for seven years, and now we are where we belong, you know,” I say, but
she’s already carrying off a pork knuckle.
(...)
SEPTEMBER 2025 / REISENOTIZ / LESEREISE IN DEN USA
LIVE
Gerade in Philadelphia gelandet, Uber zum Hotel, in dem wir schon vor ein paar Nächten waren,
dieses Mal ist der Blick anders. Ich ziehe mir eine kurze Hose an. Die Sonne scheint. Ich trage
keine Socken in den Lederslippern. Die Straße in Philly ist voller Menschen, die Lust haben auf das
Leben. Ein queeres Straßenfest, Musik, einige Menschen tanzen. Ich schaue ihnen zu, dann schaue
ich auf mein Handy, dann biege ich ab.
Die Servicekräfte in dem deutschen Lokal tragen Lederhosen oder Trachten, die keine Tradition haben.
Die Stoffe wirken so, als dürfte man mit ihnen Feuer nicht zu nahe kommen. In dem Laden ist es
so kalt, dass sich mir die Haare an den Beinen aufstellen. Ich sitze am Tresen und versuche
dem Kellner zu erklären, welches Spiel ich schauen will – German Football, sage ich und er
gibt mir die Fernbedienung. Nachdem ich den Bundesligakanal gefunden habe, schießt Aleksandar
Pavlovic das 2:0 für den FC Bayern München gegen meinen Herzensverein. Es ist die neunte Minute des Spiels.
Meine Stirn liegt auf der polierten Holzplatte, eine Kellnerin stellt ein Beck’s Glas mit Jever Pils daneben.
Are you okay, Honey? Yes, it is just that my Team is losing, sage ich. Ah, that sucks, sagt sie. Yeah, they
suck, sage ich. But they just got relegated after trying it for seven years and now we are where we belong,
you know, sage ich, aber da trägt sie schon eine Schweinshaxe davon.
(...)
SEPTEMBRE 2025 / TEMPS DE VOYAGE / TOURNÉE DE LECTURE AUX ÉTATS-UNIS
IMAGES PERDUES
J'ai oublié mon appareil photo. Il était trop tôt. Nous avions un vol
tôt le matin. Je me suis réveillé et j'ai fait ma valise. J'étais en retard, l'Uber était
déjà devant la porte. Il faisait froid dans la voiture. La climatisation m'a rendu malade.
Je porte un pull en cachemire noir à col ouvert, une vesteoversized'un tailleur parisien,
un jeanLevi’sbootcut, des bottes en cuir italiennes et une casquette rose de Philadelphie
que j'ai achetée à l'aéroport où nous allons maintenant retourner : Philadelphie.Mais il
faut déjà réussir à y arriver.
Une longue file de voyageurs nous sépare, Sonali et moi, du contrôle de sécurité à
l'aéroport de Pittsburgh.Il ne reste plus beaucoup de temps avant que la porte d’embarquement
ne ferme.Le personnel de la TSA est aimable, mais sous pression – nous aussi. J'ai beaucoup
trop d'affaires et tous les appareils électroniques doivent être déballés : l'appareil photo
numérique de 2005 avec lequel je prends des photos dans ce style nostalgique du début des
années 2000, l'appareil photo argentique avec lequel je capture tout ce qui bouge de manière
intéressante, les feuilles des arbres, les reflets dans les flaques d'eau, parfois les gens,
mon ordinateur portable, ma batterie externe, mondéfroisseuret mon appareil photo analogique
préféré, l'OlympusMju1, ainsi que le sac contenant les pellicules, KodakUltraMax, 30 pièces,
dont 9 exposées. J'ai demandé un contrôle manuel et, comme je l'ai déjà mentionné au début,
il était tôt, nous étions en retard…
J'ai oublié de remballer mon appareil photo et mes pellicules. Ils sont donc restés là-bas,
l'appareil photo et les pellicules, celles qui n'ont pas été exposées à la lumière et celles
qui l'ont été pendant un bref instant et ont capturé une image que j'ai trouvée intéressante
ou amusante.
Je n'avais pas le temps, mais maintenant, je prends le temps de récupérer mes photos.
J'ai abandonné l'idée que le service des objets trouvés de l'aéroport de Pittsburgh me
contacte. Voici les photos que j'ai perdues:
(...)
SEPTEMBER 2025 / TRAVELNOTE / READING TOUR IN THE US
LOST PICTURES
I forgot my camera. It was too early. We had the early flight.
I woke up and packed my suitcase. I was late, the Uber was already waiting outside.
It was cold in the car. The air conditioning made me sick. I’m wearing a black cashmere
sweater with an open collar, an oversized blazer from a Parisian tailor on top, Levi’s
bootcut jeans, Italian leather boots, and a pink Philadelphia cap that I bought at the
airport we’re now flying back to: Philadelphia. But first we have to get there again.
A long line of travelers separates Sonali and me from the security check at Pittsburgh Airport.
It won’t be long before the gate closes. The TSA staff is friendly but under pressure—so are we.
I have way too many things, and all electronics have to be unpacked: the digital camera from 2005
that I use to take photos with that nostalgic early-2000s look, the film camera I point at anything
interesting that moves—leaves on trees, reflections in puddles, sometimes people—my laptop, power
bank, steamer, and my beloved analog point-and-shoot camera, the Olympus Mju 1, plus the little
bag with the films, Kodak UltraMax, 30 rolls, 9 of them exposed. I asked for a hand check, and
as mentioned before: it was early, we were late…
I forgot to pack the camera and the films again. So they stayed there—the camera and the films,
the unexposed ones and the ones that had been briefly exposed to light, capturing an image I
found either interesting or funny.
I didn’t have time then, but now I’m taking it to get my pictures back. I’ve given up on the
Pittsburgh Airport lost and found ever getting back to me. These are the images I lost:
(...)
SEPTEMBER 2025 / REISENOTIZ / LESEREISE IN DEN USA
VERLORENE BILDER
Ich habe meine Kamera vergessen. Es war zu früh. Wir hatten den frühen Flug.
Ich bin aufgewacht und habe meinen Koffer gepackt. Ich war zu spät, das Uber stand schon vor der
Tür. Im Auto war es kalt. Die Klimaanlagen haben mich krank gemacht. Ich trage einen schwarzen Kaschmirpullover
mit offenem Kragen, darüber ein Oversized Sakko einer Pariser Schneiderei, Levi’s Bootcut-Jeans,
italienische Lederstiefel, eine pinke Philadelphia-Cap, die ich mir an dem Flughafen gekauft habe
zu dem wir jetzt wieder zurückfliegen: Philadelphia. Aber dort müssen wir erst einmal wieder hinkommen.
Den Security-Check am Flughafen in Pittsburgh und Sonali und mich trennt eine lange Schlange Reisender.
Es dauert nicht mehr lange bis das Gate schließen wird. Das TSA-Personal ist freundlich, aber unter Druck – wir auch.
Ich habe viel zu viel Sachen und alle elektronischen Geräte müssen ausgepackt werden: die Digitalkamera von 2005, mit
der ich Fotos in diesem nostalgischen Early 2000er-Look mache, die Filmkamera, mit der ich einfach draufhalte,
wenn sich etwas interessant bewegt, Blätter von Bäumen, Reflektionen in Pfützen, manchmal Menschen, meinen Laptop,
Powerbank, Steamer und meine geliebte analoge Point-and-Shoot-Kamera, Olympus Mju 1 und die dazugehörige Tasche
mit den Filmen, Kodak UltraMax, 30 Stück, 9 davon belichtet. Ich habe um einen Handcheck gebeten und wie am
Anfang bereits erwähnt: es war früh, wir waren spät…
Ich habe vergessen die Kamera und meine Filme wieder einzupacken. Also sind sie dort geblieben, die Kamera
und die Filme, die unbelichteten und die, welche für einen kurzen Moment dem Licht ausgesetzt wurden
und ein Bild eingefangen haben, das ich entweder interessant oder lustig fand.
Ich hatte keine Zeit, aber jetzt nehme ich sie mir, um meine Bilder zurückzuholen.
Dass sich der Lost-and-Found vom Flughafen Pittsburgh noch meldet, habe ich mittlerweile
aufgegeben. Das sind die Bilder, die ich verloren habe:
(...)
SEPTEMBRE 2025 / TEMPS DE VOYAGE / TOURNÉE DE LECTURE AUX ÉTATS-UNIS
AU LYCÉE, LE 11 SEPTEMBRE
En approchant de Pittsburgh, je pense au Harz. Nous survolons un paysage
vallonné qui suscite en moi des émotions. Plus tard, au lycée Mount Lebanon, le professeur
d'allemand dira à ses élèves : « Les montagnes ici ressemblent un peu au Harz. » Les élèves
ont lu des textes de Sonali et moi-même, et mon texte se déroule, comme souvent, dans le Harz.
Alors oui, je dis, je pense que les montagnes du Harz peuvent être comparées aux montagnes
Apalachee (même si je ne les ai vues que depuis le hublot de l’avion).
Le lycée est également situé sur une petite colline, comme beaucoup d'autres écoles et églises ici,
dans la banlieue de Pittsburgh. C'est un district scolaire, nous a-t-on dit. Plus tard, alors qu'il
fait déjà nuit, quelqu'un nous dit qu'il y a à Pittsburgh plus d'églises par rapport au nombre
d'habitants que partout ailleurs aux États-Unis. La nuit, les églises, au nombre de quatre dans
les environs immédiats de notre hôtel, sont illuminées. Quand il faisait encore jour, on voyait
clairement qu'elles n'étaient pas aussi anciennes qu'elles le laissaient paraître. Sur un
panneau que j'ai vu sur le chemin du lycée, près d'une des églises, il était écrit que ces
pierres n'avaient été empilées pour former une église qu'en 1945.
Devant nous sont assis des jeunes qui doivent nous poser des questions sur nos textes et qui
essaient de les formuler en allemand. J'ai remarqué que tu es très critique envers les hommes
dans ton texte, dit l'un des élèves. Il lit cette phrase sur une feuille. Il l'a notée. Puis
il me regarde dans les yeux et me demande : « Pourquoi ? »
(...)
SEPTEMBER 2025 / TRAVELNOTE / READING TOUR IN THE US
AT THE HIGH SCHOOL ON SEPTEMBER 11
On the approach to Pittsburgh, I have to think of the Harz. We’re flying
over a hilly landscape that stirs something in me. Later, at Mount Lebanon High School, the
German teacher will say to his students: the mountains here, they look a bit like the Harz.
The students have read texts by Sonali and me, and my story, like so many of mine, takes
place in the Harz. So yeah, I say, I think the Harz Mountains can be compared to the
Apalachee Mountains (even though I’ve only seen them from the airplane window).
The high school itself is perched on a small hill, like many of the schools and churches scattered
throughout Pittsburgh’s suburbia. We’re told this is a school district. Later, when it’s already
dark, someone tells us that Pittsburgh has more churches per capita than anywhere else in the US.
At night, the churches, there are four within walking distance of our hotel, are lit up. When it
was still light out, you could clearly see that they’re not as old as they’re meant to look. On
a sign I saw on the way to the high school, posted outside one of the churches, it said that
these stones were only stacked into a church in 1945.
In front of us sit young people who are supposed to ask us questions about our texts, trying to ask
them in German. I noticed that you’re very critical of men in your text, says one of the students.
He reads the sentence from a sheet of paper. He wrote it down. Then he looks me in the eye and asks: Why?
(...)
SEPTEMBER 2025 / REISENOTIZ / LESEREISE IN DEN USA
IN DER HIGHSCHOOL AM 11. SEPTEMBER
Im Anflug auf Pittsburgh muss ich an den Harz denken. Wir fliegen über eine
hügelige Landschaft, die Gefühle in mir auslöst. Später in der Mount Lebanon Highschool wird der Lehrer
der Deutschklasse zu seinen Schülern sagen: die Berge hier, die sehen ein bisschen so aus, wie der Harz.
Die Schülerinnen und Schüler haben Texte von Sonali und mir gelesen und mein Text spielt, wie so oft, im Harz.
So yeah, sage ich, I think that the Harz Mountains can be compared to the Apalachee-Mountains (obwohl ich die
nur aus dem Flugzeugfenster gesehen habe).
Auch die Highschool befindet sich auf einem kleinen Hügel, wie die vielen anderen Schulen und Kirchen hier
in Pittsburgh’s Suburbia. Das ist ein Schuldistrikt, wurde uns gesagt. Irgendwann später, da ist es
schon dunkel, sagt uns jemand, dass es in Pittsburgh so viele Kirchen, verglichen mit der Zahl der
dort lebenden Menschen, wie sonst nirgendwo in den USA gibt. Nachts werden die Kirchen, es sind vier
in der unmittelbaren Umgebung unseres Hotels, beleuchtet. Als es noch hell war, konnte man deutlich sehen,
dass sie nicht so alt sind, wie sie aussehen sollen. Auf einem Schild, das ich auf dem Weg zur
Highschool an einer der Kirchen gesehen habe, stand, dass diese Steine erst 1945 zu einer Kirche
aufgestapelt wurden sind.
Vor uns sitzen junge Menschen, die uns Fragen zu unseren Texten stellen sollen und versuchen
diese auf deutsch zu stellen. Mir ist aufgefallen, dass du in deinem Text sehr kritisch mit
Männern bist, sagt einer der Schüler. Er liest diesen Satz von einem Blatt ab. Er hat ihn sich
aufgeschrieben. Dann schaut er mir in die Augen und fragt: Warum?
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SEPTEMBRE 2025 / TEMPS DE VOYAGE / TOURNÉE DE LECTURE AUX ÉTATS-UNIS
DÉPLACER LE MUR DE BERLIN
J'ai touché le Mur de Berlin, à Berlin, lorsque ma mère m'a rendu visite la
dernière fois. « Je veux revoir l'East Side Gallery », m'a-t-elle dit. Nous avons alors longé
les sections du mur recouvertes de graffitis. Pendant qu'elle me racontait comment c’était dans
le Berlin divisé, et qu'elle avait acheté un exemplaire du Capital de Karl Marx avec l'argent
qu'elle avait dû échanger à la frontière contre des Ostmarks, j'ai laissé ma main glisser sur
le béton, jusqu'à ce que la peau de mes doigts devienne toute rugueuse.
Ici à Philadelphie, je ne peux pas toucher le Mur de Berlin. Ici à Philadelphie, le Mur de Berlin est
derrière une vitre en plexiglas. C'est un de mes amis qui l'a expédié, cela ne nous a rien coûté !
Nous avions deux morceaux du Mur de Berlin, l’un se trouve désormais à l'ambassade. C'est celui qui
était en moins bon état, nous explique le monsieur âgé qui nous fait visiter la German Society of
Pennsylvania, à Sonali et moi.
La société a son siège dans une villa ancienne, selon les normes américaines, datant de 1888.
C'est la plus ancienne représentation d'une communauté nationale aux États-Unis, dit-il. Fondée
à l’époque pour défendre les droits des Allemands émigrés, qui devaient rembourser leur traversée
par un travail éreintant une fois arrivés. Aujourd’hui, il s’agit de préserver la culture allemande,
nous explique ce monsieur originaire de Leipzig, là où Sonali et moi étudions à l’Institut allemand
de littérature, et où il est retourné après la chute du Mur. Parce qu’il y avait du travail à faire,
dit-il. « J’avais déjà la famille ici », ajoute-t-il, en parlant de la Pennsylvanie.
Mais je me suis occupé du paysage, dans lequel ma famille possédait autrefois un domaine, dans la région
où l’on exploitait le charbon en RDA, et qui a donc disparu. Le charbon contient plus de soufre à Leipzig
que dans la Ruhr, dit-il. Il me parle du paysage de son enfance, de la poussière noire qui s’y est déposée
à cause de l’utilisation d’énergies fossiles, et du fait qu’il voulait inverser cela : Je voulais
que ça redevienne beau là-bas, dit-il, et je pense », ajoute-t-il, que j’y suis arrivé.
Aujourd’hui, autour de Leipzig, il y a des lacs dans lesquels nous allons nager l’été, disons Sonali et
moi en riant. La prochaine fois que je serai à Leipzig en été, au bord du lac, je penserai à lui, et au
fait qu’il pleuvait autrefois de la poussière noire ici.
(...)
SEPTEMBER 2025 / TRAVELNOTE / READING TOUR IN THE US
MOVING THE BERLIN WALL
I touched the Berlin Wall in Berlin, when my mother last visited me.
“I want to see the East Side Gallery again,” she said. Then we walked past the graffiti-covered
sections of the wall. While she told me what it was like in divided Berlin and how she used the
money she had to exchange at the border in East German marks to buy a copy of Karl Marx's Capital,
I ran my hand over the concrete—until the skin on my fingertips turned completely rough.
Here in Philadelphia, I can't touch the Berlin Wall. Here in Philadelphia, the Berlin Wall is behind Plexiglas.
A friend of mine shipped it over, and it didn't cost us anything! We had two pieces of the Berlin Wall, one of
which is now at the embassy. It's the one that was in worse condition, says the elderly gentleman who
is showing Sonali and me around the German Society of Pennsylvania. The Society is based in what is,
by American standards, an old villa dating from 1888. It is the oldest representative of a national
community in the USA, he says. Founded back then to advocate for the rights of German emigrants, who,
upon arrival, had to repay their passage with backbreaking labor. Today, the focus here is on
preserving German culture, says the gentleman from Leipzig, where Sonali and I
are studying at the German Literature Institute and where he returned after the
fall of the Berlin Wall. Because there was work to be done, as he says. I already
had family here, he says, referring to Pennsylvania. But I took on the landscape
where my family used to have an estate, in the area where coal was mined in the GDR
and which has since disappeared. Coal in Leipzig contains more sulfur than in the
Ruhr region, he says. He tells me about the landscape of his childhood and the black
dust that settled over it due to the use of fossil fuels, and that he wanted to reverse
that: I wanted it to look beautiful again, he says, and I think I succeeded. Today, there
are lakes around Leipzig where we go swimming in the summer, Sonali and I say and laugh. Next
time I’m in Leipzig in the summer, by the lake, I’ll think of him, and of how it used to rain black dust here.
(...)
SEPTEMBER 2025 / REISENOTIZ / LESEREISE IN DEN USA
DIE BERLINER MAUER BEWEGEN
Ich habe die Berliner Mauer berührt, in Berlin, als meine Mutter mich zuletzt
besucht hat. Ich will nochmal die East-Side-Gallery sehen, hat sie gesagt. Dann sind wir an den
angesprühten Mauerabschnitten vorbeigelaufen. Während sie mir erzählt hat, wie es im geteilten Berlin war und
dass sie von dem Geld, das sie an der Grenze in Ostmark tauschen musste eine Ausgabe von Karl Marxs Kapital gekauft
hat, habe ich meine Hand über den Beton gleiten lassen – bis irgendwann die Haut an meinen Fingerkuppen ganz rau geworden ist.
Hier in Philadelphia kann ich die Berliner Mauer nicht berühren. Hier in Philadelphia ist die Berliner Mauer hinter
Plexiglas. Die hat ein Freund von mir verschifft, das hat uns auch nichts gekostet! Wir hatten zwei Stücke der Berliner
Mauer, eines hat jetzt die Botschaft. Es ist das, was im schlechteren Zustand war, sagt uns der ältere Herr, der Sonali
und mir gerade die German Society of Pennsylvania zeigt. Die Society hat ihren Sitz in einer, für amerikanische Verhältnisse,
alten Villa von 1888. Sie ist die älteste Vertretung einer Staatsgemeinschaft in den USA, sagt er. Damals gegründet um
für die Rechte der emigrierten Deutschen einzutreten, die nach der Ankunft die Überfahrt mit Knochenarbeit zurückzahlen
mussten. Heute geht es hier darum die deutsche Kultur aufrechtzuerhalten, sagt uns der Herr aus Leipzig, wo Sonali
und ich am Deutschen Literaturinstitut studieren und wohin er nach dem Fall der Mauer wieder zurückgekehrt ist. Weil
es Arbeit zu tun gab, wie er sagt. Ich hatte ja schon die Familie hier, sagt er und meint damit Pennsylvania. Aber ich
habe mich der Landschaft angenommen, in der meine Familie früher ein Gut hatte, auf dem Gebiet, in dem in der DDR
Kohle gefördert wurde und die deswegen verschwunden ist. Kohle enthält in Leipzig mehr Schwefel als im
Ruhrpott, sagt er. Er erzählt mir von der Landschaft seiner Kindheit und von schwarzem Staub, der sich
durch die Nutzung fossiler Energie über ihr abgelagert hat und dass er das rückgängig machen wollte: Ich
wollte, dass es dort wieder schön aussieht, sagt er und ich denke, sagt er, das habe ich auch geschafft. Heute
sind dort um Leipzig herum die Seen, in den wir im Sommer schwimmen gehen, sagen Sonali und ich und lachen. Beim
nächsten Mal, wenn ich im Sommer in Leipzig und am See bin, werde ich an ihn denken und daran, dass es hier früher
schwarzen Staub geregnet hat.
(...)
SEPTEMBRE 2025 / TEMPS DE VOYAGE / TOURNÉE DE LECTURE AUX ÉTATS-UNIS
DE RETOUR DANS L’AMBIANCE CHEESE STEAK
Je suis aux États-Unis depuis quatre jours et j'ai mal à la gorge. Ici aussi,
à l'aéroport de Philadelphie, il fait plus froid à l'intérieur qu'à l'extérieur. Savais-tu qu'il
n'y a aucune preuve scientifique à ce sujet ? me demande mon amie au téléphone. À propos de quoi ?
lui demandé-je. À propos du fait que les climatiseurs rendent les gens malades, répond-elle. Mais
cela ne concerne que les Européens ? lui demandé-je. Oui, répond-elle. C'est fou, non ? Putain de
climatisation, dis-je. Elle me raconte ensuite que des drones russes ont été abattus au-dessus du
territoire polonais et que l'OTAN veut se réunir. Je ne sais pas de quoi elle parle et je le lui
dis. « Désolée, chéri, dit-elle. Je pensais que tu étais au courant. » « Non, je n'ai pas suivi
l'actualité », répondis-je. Je suis en congé, alors que d'habitude j'écris les actualités, et ici,
je voulais écrire autre chose, mais je me demande maintenant, comme l'écrit le président américain
sur sa propre plateforme : « What is with Russia ? »
Je dois raccrocher et me mettre au courant, dis-je à ma copine. C'est ce qu'on dit habituellement à la
rédaction, se mettre au courant de l'actualité avant de commencer à travailler, et maintenant je le
dis à ma copine. Je lis ce que mes collègues du ZEIT écrivent. Ils ont lancé un blog en direct. Je
lis à rebours jusqu'à aujourd'hui et quand j'ai fini, je lève les yeux, mais les nombreux écrans
de télévision de l'aéroport diffusent une autre info de dernière minute : l'activiste d'extrême
droite Charlie Kirk a été tué d'une balle dans la nuque sur un campus universitaire de l'Utah.
À ce moment-là, cela n'a pas encore été confirmé publiquement, mais les médias rapporteront
plus tard que la Maison Blanche était déjà informée à ce moment-là. Actuellement, on sait
seulement que Kirk a été blessé par balle et qu'on ne sait pas s'il survivra, et qu'il est
exclu que les drones russes de fabrication iranienne survolant le territoire polonais aient
été une erreur.
(...)
SEPTEMBER 2025 / TRAVELNOTE / READING TOUR IN THE US
BACK IN THE CHEESESTEAK-MOOD
I’ve been in the US for four days and my throat hurts. Even here at the
Philadelphia airport, it’s colder inside than outside. Did you know there’s no scientific
proof for that? my girlfriend asks on the phone. Proof for what? I ask. That air conditioning
makes people sick, she says. But it only affects Europeans? I ask. Yeah, she says. Crazy, right?
Damn air conditioning, I say. Then she tells me that Russian drones were shot down over Polish
territory, NATO wants to consult. I don’t know what she’s talking about and I tell her that.
Sorry, baby, she says. I thought you’d already heard. No, I haven’t been following the news,
I say. I’ve been on leave from work, where I usually write the news, and here I wanted to write
something else, but now I’m wondering how the American president is posting on his own platform:
What is with Russia?
I need to hang up and catch up, I tell my girlfriend. That’s what you usually say at the news desk,
catch up on the news before your shift starts, and now I’m saying it to my girlfriend. I read what my
colleagues at ZEIT are writing. They’ve started a live blog. I read backwards into the present and when
I’m done, I look up, but on the many TV screens at the airport another breaking news story is running:
Far-right activist Charlie Kirk was shot in the neck and killed on a university campus in Utah —
at this point it hasn’t been publicly confirmed, but media will later report that the White
House had already been informed. The current status, however, is that Kirk was shot and it’s
unclear whether he’ll survive, and that it’s ruled out that the Russian drones of Iranian design
over Polish territory were a mistake.
(...)
SEPTEMBER 2025 / REISENOTIZ / LESEREISE IN DEN USA
ZURÜCK IN DEN CHEESESTEAK-MOOD
Ich bin seit vier Tagen in den USA und mein Hals tut weh. Auch hier am Flughafen
von Philadelphia ist es drinnen kälter, als draußen. Wusstest du, dass es dafür gar keine wissenschaftlichen
Beweise gibt? fragt meine Freundin am Telefon. Wofür? frage ich. Dafür, dass Menschen durch Klimaanlagen
krank werden, sagt sie. Aber es betrifft nur Europäer? frage ich. Ja, sagt sie. Verrückt oder? Scheiß
Klimaanlagen, sage ich. Dann erzählt sie mir, dass russische Drohnen über polnischem Staatsgebiet
abgeschossen wurden, die Nato will beraten. Ich weiß nicht wovon sie da spricht und das sage ich ihr auch.
Entschuldige, Baby, sagt sie. Ich dachte du wüsstest das schon. Nein, ich habe die News nicht verfolgt,
sage ich. Ich bin bei der Arbeit freigestellt, wo ich sonst die Nachrichten schreibe und hier wollte
ich anderes schreiben, aber ich frage mich jetzt, wie der US-amerikanische Präsident auf seiner eigenen
Plattform schreibt: What is with Russia?
Ich muss auflegen und mich einlesen, sage ich meiner Freundin. Das sagt man sonst am Newsdesk,
sich in die Nachrichtenlage einlesen, bevor die Arbeit beginnt und jetzt sage ich das zu meiner Freundin.
Ich lese was meine Kolleginnen und Kollegen bei der ZEIT schreiben. Sie haben einen Liveblog begonnen. Ich
lese rückwärts bis in die Gegenwart und als ich damit fertig bin, schaue ich auf, aber auf den vielen
Fernsehbildschirmen am Flughafen läuft eine andere Breaking News: Den rechtsradikalen Aktivisten Charlie
Kirk hat auf einem Universitätscampus in Utah eine Kugel in den Nacken getroffen und getötet – Zu
diesem Zeitpunkt ist das noch nicht öffentlich bestätigt, aber Medien werden später berichten, dass
das Weiße Haus zu diesem Zeitpunkt bereits informiert gewesen sei. Aktuell ist der Stand aber,
dass Kirk angeschossen sei und unklar ist, ob er das überleben wird und dass es ausgeschlossen
ist, dass es sich bei den russischen Drohnen iranischer Bauart über dem Gebiet Polens um ein
Versehen gehandelt habe.
(...)
SEPTEMBRE 2025 / TEMPS DE VOYAGE / TOURNÉE DE LECTURE AUX ÉTATS-UNIS
ROUILLE & CONFORT
Des voitures abandonnées bordent les rails, des montagnes de vielle tôle défilent :
cabossées, usées, mises de côté. Le train Amtrak a quitté la gare souterraine de Pennsylvania Station a
Manhatten, a traversé les eaux de l’Hudson River, et a refait surface dans le New Jersey. De Penn Station
vers la Pennsylvanie. Sous des piliers de béton armé, sous des eaux mouvantes, sous une terre convoitée,
sur des rails qui n’ont rien à envier à ceux d’Allemagne. Beaucoup de rouille d’un coup, ici. Les sièges
du wagon sont confortables, rembourrés, larges. Dehors, il n’y a pas grand-chose à voir, seulement
l’industrie américaine, en déclin ou en essor. La décadence est tout aussi visible que le potentiel
d’innovation. Rêve libéral pour beaucoup, un cauchemar du capitalisme tardif pour tout autant d’autres,
ceux qui manquent de pouvoir d’achat, ou craignent de bientôt en manquer.
L’infrastructure est fragile dans le soi-disant pays de la soi-disant liberté. Croissance et chute sont
proches comme des frères et sœurs. Et bien sûr, il y a des histoires d’éloignement, comme dans beaucoup
de familles. Leipzig, où j’étudie à l’Institut de littérature allemande, m’a un jour été présenté comme
le frère de Berlin, où je vis. Mais j’ai déjà un frère, et il est plus jeune que moi, mais pas plus
petit ou juste un peu. Hannah Arendt a un jour décrit New York City, dans une lettre à Karl Jaspers,
comme un « grand Berlin », et Leipzig n’a vraiment rien à voir avec New York mais bien avec Berlin.
C’est comme ça avec les liens familiaux : à un moment donné, ça devient flou. Les familles sont
complexes et belles. Mais le mieux, c’est quand on les choisit soi-même. J’ai choisi Berlin. Mais
je veux désormais visiter New York au moins une fois par an. Il faut rendre visite à sa famille
tant qu’on le peut. Nous vieillissons tous.
(...)
SEPTEMBER 2025 / TRAVELNOTE / READING TOUR IN THE US
RUSTY COMFY
Discarded cars lie beside the tracks, hills of old metal roll past: dented, worn out,
cast off. The Amtrak train left the underground Pennsylvania Station in Manhattan, traveled under the waters
of Hudson River, and resurfaced in New Jersey. Penn Station to Pennsylvania. Beneath reinforced concrete
pillars, beneath flowing water, beneath coveted earth, on rails that are no worse than the ones in Germany.
A lot of rust all at once here. The seats in the carriage are comfortable, cushioned, wide. Outside, there’s
not much to see, just the American industry, either in decline or on the rise. Decay is as visible as
potential for innovation. A market-liberal dream for many, a late-capitalist nightmare for just as many,
those who lack financial means, or fear they soon will.
Infrastructure is fragile in the so-called land of so-called freedom. Boom and bust are as close as siblings.
And of course, there are stories of estrangement, as in many families. Leipzig, where I study at the German
Literature Institute, was once described to me as the brother of Berlin, where I live. But I already have a
brother, and he’s younger than me, though not smaller or only a little. Hannah Arendt once described New
York City in a letter to Karl Jaspers as a “big Berlin,” and Leipzig really has nothing to do with New
York, but it does with Berlin. That’s how it is with family ties: eventually, it gets confusing. Families
are complicated and beautiful. But it’s best when you choose them yourself. I chose Berlin, but I want
to visit New York at least once a year from now on. You have to visit family while you still can.
We’re all getting older.
(...)
SEPTEMBER 2025 / REISENOTIZ / LESEREISE IN DEN USA
RUSTY COMFY
Es liegen ausrangierte Autos neben dem Gleisbett, Hügel aus altem Blech ziehen vorbei: verbeult,
ausgenutzt, abgelegt. Der Amtrack-Train hat die, unter der Erde gelegene, Pennsylvania-Station in Manhattan
verlassen, ist unter dem Wasser des Hudson Rivers entlang und in New Jersey aus der Erd wieder aufgetaucht.
Penn-St. nach Pennsylvania. Unter Stahlbetonsäulen, unter fließendem Gewässer, unter begehrter Erde hindurch,
auf Schienen, die in ihrem Zustand den deutschen nicht nachstehen. Viel Rost auf einmal hier. Die Sitze im Waggon
sind komfortabel, gepolstert, breit. Draußen ist nicht viel zu sehen, nur die sich im Untergang oder Aufgang
befindende US-amerikanische Industrie. Verfall ist ebenso sichtbar wie Innovationspotential. Marktliberaler
Traum für viele, spätkapitalistischer Alptraum für ebenso zahlreiche, denen die Zahlkraft fehlt oder auszugehen droht.
Die Infrastruktur ist fragil im sogenannten Land der sogenannten Freiheit. Ab- und Aufschwung sind sich nah wie
Geschwister. Aber natürlich gibt es auch Geschichten der Entfremdung, wie in vielen Familien. Leipzig, wo
ich am Deutschen Literaturinstitut studiere, hat mir einmal jemand als Bruder Berlins vorgestellt, wo ich wohne.
Ich habe aber schon einen Bruder und der ist jünger, als ich, aber nicht kleiner oder nur ein bisschen.
Hannah Arendt hat New York City einmal in einem Brief an Karl Jaspers als großes Berlin beschrieben und
Leipzig hat mit New York wirklich nichts zu tun, aber mit Berlin. So ist das eben mit Verwandtschaftsverhältnissen:
Irgendwann wird es unübersichtlich. Familien sind schwierig und schön. Aber am besten ist es, wenn man sie
sich aussucht. Ich habe mich für Berlin entschieden, aber ich will New York jetzt jedes Jahr mindestens einmal
besuchen. Familie muss man besuchen, solange man noch kann. Wir werden alle älter.
(...)
SEPTEMBRE 2025 / TEMPS DE VOYAGE / TOURNÉE DE LECTURE AUX ÉTATS-UNIS
BERLIN À NEW YORK
Je ne suis pas de Berlin, je viens du Harz. J’ai déménagé à Berlin parce que Berlin n’est pas
l’Allemagne. Je me suis envolé pour New York pour la première fois parce que je n'étais encore jamais allé aux
États-Unis, mais New York City, c’est New York City et ce n’est pas non plus les États-Unis.
C’était l’année passée, lorsque je me suis rendu pour la première fois de ma vie dans le pays dont les gens parlaient
autrefois quand ils parlaient de liberté — et dont certains parlent encore aujourd’hui, mais ce ne sont plus les
mêmes personnes. Un autre monde, à l’époque.
En septembre 2024 également- alors que je parcourais Manhattan pendant des heures, j'ai pu m'en assurer :
cela existe vraiment, et cela aussi, wow, et cela aussi... C'était encore un autre monde, et je suis sûr
que cela ne tardera pas, et que ce monde, d'où j'écris ce texte, se sera effacé, ou du moins aura disparu.
Beaucoup de soi-disant changements d'époque ces derniers temps, plus aucune certitude et à nouveau la guerre en Europe.
Nous sommes à nouveau en septembre et je m'envole à nouveau pour New York. Mais cette fois-ci, je vais voir
les États-Unis. Ce pays que je ne connais pas sera-t-il tel que je crois le connaître ? Et comment va New
York ? New York m’a manqué. Les gens avec lesquels j'ai pu avoir des conversations si intéressantes, qui
réfléchissent avec une rapidité admirable, parlent encore plus vite et dont l'art de la conversation
oscille entre drame et divertissement. Toujours une punchline, toujours une blague, une invitation
à rire ensemble. Parce que : We are in this together.
(...)
SEPTEMBER 2025 / TRAVELNOTE / READING TOUR IN THE US
BERLIN TO NEW YORK CITY
I'm not from Berlin, I'm from the Harz Mountains. I moved to Berlin because Berlin isn't
Germany. I flew to New York for the first time because I had never been to the US, but New York City is New
York City and not the US. That was last year, when I visited for the first time in my life the country that
people used to talk about when they meant freedom, and that people still talk about today, only different
people. A different world, back then.
Even in September 2024 - as I too was able to reassure myself during hours of walking through Manhattan:
This really exists, and that too, wow, and that… also - it was still a different world, and I'm certain it
won't be long before this world I'm writing from will have vanished or at least disappeared. Many so-called
turning points lately, no certainties anymore, and war in Europe again.
Now it's September again and I'm flying back to New York. But this time, I will see the United States.
Will the country I don't know still be the way I think I know it? And how is New York doing? I've
missed New York. The people I met and had such great conversations with, who think admirably fast,
speak even faster, and whose small talk choreography swings between drama and entertainment. Always
a punchline, always a joke, an invitation to laugh together. Because: We are in this together.
(...)
SEPTEMBER 2025 / REISENOTIZ / LESEREISE IN DEN USA
BERLIN NACH NEW YORK
Ich komme nicht aus Berlin, ich komme aus dem Harz. Ich bin nach Berlin gezogen,
weil Berlin nicht Deutschland ist. Ich bin zum ersten Mal nach New York geflogen, weil ich noch nie in den
USA war, aber New York City ist New York City und eben auch nicht die USA. Das war vergangenes Jahr, als ich
zum ersten Mal in meinem Leben in dem Land war, von dem Menschen früher gesprochen haben, wenn sie Freiheit
meinten und von dem das auch jetzt noch immer Menschen tun, nur andere. Eine andere Welt, damals.
Auch im September 2024 – als auch ich mich beim stundenlangen Laufen durch Manhattan vergewissern durfte:
Das gibt es wirklich und das auch, wow und das… auch – war das noch eine andere Welt und ich bin mir
sicher, es dauert nicht lange und auch diese Welt, aus der ich diesen Text schreibe, wird untergegangen
sein oder zumindest verschwunden. Viele sogenannte Zeitenwenden in letzter Zeit, keine Gewissheiten
mehr und wieder Krieg in Europa.
Jetzt ist es wieder September und ich fliege wieder nach New York. Aber dieses Mal werde ich die USA sehen.
Wird das Land, das ich nicht kenne, noch so sein, wie ich es zu kennen glaube? Und wie geht es
New York? Ich habe New York vermisst. Die Menschen, denen ich begegnet bin und mit denen ich
mich so gut unterhalten konnte, die so bewundernswert schnell denken, noch schneller sprechen
und deren Small-Talk-Dramaturgie zwischen Dramatik und Entertaiment schwankt. Immer eine Punchline,
immer ein Witz, eine Einladung zum gemeinsamen Lachen. Weil: We are in this together.
(...)
MÄRZ 2025 / TIPPGEMEINSCHAFT – JAHRESANTHOLOGIE DER STUDIERENDEN DES DEUTSCHEN LITERATURINSTITUTS LEIPZIG
DAS BIN NICHT ICH
Ich liege nachts wach und denke an gestern. Das Battle habe ich nur verloren, weil der andere
tanzen konnte und ich nicht. Ich stehe auf, fahre den Rechner hoch und die Windows-Glocken ertönen. Ich schaue
durch die Decke: Nichts. Mit zitternden Händen fummle ich die SD-Karte aus der Digi-Cam. Stundenlang schaue
ich mir dabei zu, wie ich in der Garage immer wieder versuche diesen Move hinzukriegen, den Tyler Gage in Step
Up macht. Das Bildschirmlicht tut den Augen weh. Jetzt falle ich aufs Knie. Den blauen Fleck habe ich noch immer,
sonst nichts, nur Scham. Die ganze Party hat gelacht. In der Schule am nächsten morgen schauen mich alle an.
Später in Halle an der Saale gibt es einen Uni-Sportkurs für Ballett. Das Studio liegt an der Großen Steinstraße, unten
rattert die Tram über die Schienen, oben verliere ich das Gleichgewicht. Die Straßenbahn läutet, dann gibt es
draußen Krach, drinnen spielt das Klavier. Als die Stunde vorbei ist laufen vor der Tür immer noch die Rettungsmaßnahmen.
Später denke ich immer noch an das abgetrennte Bein, das auf dem Gehweg lag, das Gesicht, kein Ausdruck, kein Schrei.
Alles ist still, alle bleiben stehen. Dann schlafe ich ein. Ich träume von Oma und Opa. Sie sind auf der Autobahn
stehengeblieben und ich fahre an ihnen vorbei. In Zeitlupe sehe ich wie sie mir folgen, die Gesichter erstarrt,
die Augen rollen schnell wie Autoreifen. Am nächsten morgen steht in der Zeitung, dass die Person überlebt hat
und ich frage mich wie. Wenn ich doch Medizin studiert hätte, wüsste ich es. Dann gehe ich ins Seminar:
Kirchengeschichte 1. Irgendwann mittendrin Glockenläuten. Ich schaue durchs Fenster zum Kirchturm nebenan.
Das Theologiestudium habe ich dann abgebrochen und bin nach Berlin gezogen. Irgendwo auf dem Land lebt ein Pfarrer mit
meinem Namen. Irgendwo in Hamburg wird vor mir gerade eine Leiche aufgeschnitten und ich versuche mich nicht zu übergeben.
(...)
MÄRZ 2025 / TIPPGEMEINSCHAFT – JAHRESANTHOLOGIE DER STUDIERENDEN DES DEUTSCHEN LITERATURINSTITUTS LEIPZIG
Die Tippgemeinschaft ist die Werkschau der Studierenden des Deutschen Literaturinstituts Leipzig und gibt einen Einblick in die zeitgenössischen Ansätze deutschsprachiger Literatur. Die Anthologie versammelt Texte von Autor_innen, die noch am Anfang ihrer literarischen Laufbahn stehen. Ähnlich eines Rundgangs in einer Kunstakademie kann ein Einblick in die Arbeiten der Studierenden des Instituts gewonnen werden.Mit Texten von: Lukas Arndt, Arrés Malak Needla, Emi Atze, Sven Beck, Hannah Beckmann, Sonali Beher, Shitela Maria Biallas Abdel Ghani, Robin Bode, Tina Brüggener, Wanda Eckert, Anja Engst, Leonard Feddern, Iven Yorick Fenker, Jonas Frey, Felix Gräbeldinger, Lorenz Häberli, Oliwia Hälterlein, Lara Hampe, (…)
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https://www.kulturkaufhaus.de/de/detail/ISBN-9783948814205/Brormann-Yola/Tippgemeinschaft-2025
MÄRZ 2025 / TIPPGEMEINSCHAFT – JAHRESANTHOLOGIE DER STUDIERENDEN DES DEUTSCHEN LITERATURINSTITUTS LEIPZIG
Jahresanthologie der Studierenden des Deutschen Literaturinstitutes Leipzig
Broschur, 288 Seiten / ISBN 978-3-948814-20-5 | € 20,–
Herausgegeben von Sarah Hensel/ Paul Hirsch / Dominik Kohl / Teresa Metzinger / Ezra Zed und Yola Brormann
Mit einem Vorwort von Isabelle Lehn
Enthält Prosa, Lyrik, Dramatik und Essay von 44 jungen Autor*innen
Die Tippgemeinschaft ist die Werkschau der Studierenden des Deutschen Literaturinstituts Leipzig und gibt einen
Einblick in die zeitgenössischen Ansätze deutschsprachiger Literatur. Die Anthologie versammelt Texte von
Autor_innen, die noch am Anfang ihrer literarischen Laufbahn stehen. Ähnlich eines Rundgangs in einer
Kunstakademie kann ein Einblick in die Arbeiten der Studierenden des Instituts gewonnen werden.
Mit Texten von: Lukas Arndt, Arrés Malak Needla, Emi Atze, Sven Beck, Hannah Beckmann, Sonali Beher,
Shitela Maria Biallas Abdel Ghani, Robin Bode, Tina Brüggener, Wanda Eckert, Anja Engst, Leonard Feddern,
Iven Yorick Fenker, Jonas Frey, Felix Gräbeldinger, Lorenz Häberli, Oliwia Hälterlein, Lara Hampe,
Constantin Heller, Sarah Hensel, Paul Hirsch, Marc Huber, Marie-Christin Janssen, Luisa-Marie Kauzmann,
Viktoria Kerkewitz, David Kienzler, Dominik Kohl, Carla Lorenz, Jorinde Minna Markert, Liola Nike Mattheis,
Tara Meister, Teresa Metzinger, Valeria Nieberg, Raphael Ostertag, Michèle Yves Pauty, Alice Lovis Planz,
Josefa Ramírez Sánchez, Jona Rausch, Lena Riemer, Victor Sattler, Konstantin Schmidtbauer, Sophie Schollek,
Suse Schröder, Franziska Siewert, Sven Spaltner, Grigory Stanskiy, Lilith Tiefenbacher, Finn Mattis Tubbe,
Mücahit Türk, Kathrin Vieregg, Hermine Vulturius, Jonë Zhitia.
(...)
https://www.cvb-leipzig.de/tippgemeinschaft/
MÄRZ 2025 / TIPPGEMEINSCHAFT – JAHRESANTHOLOGIE DER STUDIERENDEN DES DEUTSCHEN LITERATURINSTITUTS LEIPZIG
- erscheint am 29.03.2025
https://www.cvb-leipzig.de/tippgemeinschaft/
https://www.kulturkaufhaus.de/de/detail/ISBN-9783948814205/Brormann-Yola/Tippgemeinschaft-2025
https://www.thalia.de/shop/home/artikeldetails/A1074331674
JUNI 2023 / TIPPGEMEINSCHAFT ZINE (limitierte Ausgabe)
(...)
Die Geschichte ist kurz, denn so ist das Leben.
Das Ende ist schon zu sehen.
Ende.
von Iven Yorick Fenker
(vergriffen/ sold out)
APRIL 2023 / TIPPGEMEINSCHAFT - JAHRESANTHOLOGIE DER STUDIERENDEN DES DEUTSCHEN LITERATURINSTITUTS LEIPZIG
WIR SEHEN UNS MANCHMAL ÄHNLICH
Ich bin David Beckham.
Mein Bruder sagt: Nein, ich bin David Beckham.
Ich aber sage: Ich bin David Beckham.
Mein Bruder sagt: Na gut. Dann bin ich Francesco Totti.
*
Im Gegenlicht des Mondes sind die Umrisse des Brockens zu sehen. Fledermäuse fliegen durch die Nacht. Wir sitzen im Wohnzimmer und schauen in die Dunkelheit. Die Bäume stehen still. Es geht kein Wind. Papa schenkt mir einen Schluck Bier ein. Der Fernseher läuft. Der Ton ist aus.
*
Der Vater meines Vaters hat meinen Vater als Kind in das Volksparkstadion mitgenommen und heute fährt mein Vater mit uns dort hin. Hamburg spielt ein Derby und wir sind auf der Autobahn.
*
Der Garten meiner Kindheit ist verwachsen. Ich hole die
Sense aus der Scheune und schlage zu. Es riecht nach Brennnesseln und Minze,
meine Hände sind gereizt, die Handschuhe haben Löcher. Ich schlage Schneisen
in die ausufernden Hecken und versuche die Sauerkirschbäume freizukämpfen.
Die Motorsäge ist zu laut für Sonntag. Hinter dem Dickicht, das zu den
Nachbarn hin wächst, weht eine Deutschlandfahne. Unter dem abgeholzten
Buschwerk finde ich eine Pausenbrotdose aus verblichenem scharlachrotem Plastik.
Auf der Terrasse liegt ein toter Vogel. Mit der Mistgabel räume ich
Schnittwerk, Laub und Unkraut auf den Carport. Aus den stärkeren Ästen
säge ich Brennholz.
*
Möchtest Du noch Himbeertraum? fragt meine Tante ihre Schwester. Meine Mutter sagt: Nein, sonst erschlägt mich mein Herz. Mein Onkel sagt: Jetzt eine Stunde schlafen.
(...)
https://literaturinstitut.de/werke/2023/tippgemeinschaft-2023/
https://www.amazon.de/-/en/Tippgemeinschaft-2023-Jahresanthologie-Studierenden-Literaturinstitutes/dp/3948814139
DEZEMBER 2022 / NERV MAGAZIN
nicht erschrecken… bei den Kinderwagen vor den Briefkästen liegt eine tote ratte
14:02
UNSEREM TREPPENHAUS OBLIEGT DAS VERWAHREN
(von:)
-1(?) Ratte
- (letztens hat sie noch gelebt)
- aber von vorne
- und vom Betreten des Hauses und dem Zudrücken der Türe, mal ausgegangen, in den Hausflur hinein, auf dem Weg zum Treppenhaus,
- von unten nach oben, also:
- immer wieder ein Rascheln
- die Ratten
- (nur sichtbar, wenn tot)
- die durchnässte Pappanhäufung, die in Wellen vergeht, verkrümmt und zu Pappmaschematsch wird neben der Eingangstür
- ist sie nun zu?
- daneben das Loch im Boden, in dessen tiefen Schwärze
- wer weiß was liegt
- kriecht fleucht leuchtet
Wie sind die denn reingekommen? Denke die Haustür is wieder repariert?
15:30
(...)
NOVEMBER 2022 / EIN HARZER FROSCH AM WASSERREGAL - ANTHOLOGIE ZUM 4. LITERATURPREIS HARZ
DORNEN DONNER STOßGEBET
Eine Kindheit lang in den ausgetrockneten Ackerfurchen ohne Furcht.
Die Tritte in den Boden, der aufgewirbelte Staub, der sich zum Abend hin
legt und uns in Schweigen hüllt. Der Fernseher läuft.
Der Ton ist aus. Der Atem geht schwer.
Auf dem Bolzplatz wächst kein Rasen mehr. Es ist zu oft
Schützenfest. Das Desinfektionsmittel spült den Schotter
aus den aufgeschlagenen Knien. Der Fanfarenzug marschiert
durchs Oberdorf. Vom Hang herunter hallt der Tumult.
Schüsse durchdringen die Nacht. Es wird nicht dunkel, bevor es Morgen wird.
Mein Fußballtrainer brüllt immer noch Dschin Dschin Dschinghis Khan
und haut die Dinger ins Gestrüpp, wo die Dornen die Bälle platzen lassen.
Er sagt, wir sollen den Kugeln hinterherjagen. Er sagt auch: Nehmt die
Bügeleisen aus den Schuhen – der Kunstrasen schmilzt. Das Geräusch ist
einschneidend, wenn das von der Sonne strapazierte Leder auf die spitzen
Dornen trifft. Auf dem Rückweg vom Training wirft er die Big-Mac- Schachtel
aus dem heruntergekurbelten Fenster. Aber sag das nicht deinem Vater, sagt er.
Mein Vater ist bei den Grünen oder wie er sagt: Dann müsst ihr halt zu Fuß laufen.
(...)
https://www.kulturkaufhaus.de/de/detail/ISBN-9783866859272/Riehemann-Renate-Maria/Ein-Harzer-Frosch-am-Wasserregal
https://geest-verlag.de/news/renate-maria-riehemann-hg-ein-harzer-frosch-am-wasserregal-4-literaturpreis-harz-im-druck-0
FRÜHLING 2022 / PROCESS*IN MAGAZIN
WIR SEHEN UNS MANCHMAL ÄHNLICH
Ich bin David Beckham.
Mein Bruder sagt: Nein, ich bin David Beckham.
Ich aber sage: Ich bin David Beckham.
Mein Bruder sagt: Na gut. Dann bin ich Francesco Totti.
*
Im Gegenlicht des Mondes sind die Umrisse des Brockens zu sehen. Fledermäuse fliegen durch die Nacht. Wir sitzen im Wohnzimmer und schauen in die Dunkelheit. Die Bäume stehen still. Es geht kein Wind. Papa schenkt mir einen Schluck Bier ein. Der Fernseher läuft. Der Ton ist aus.
*
Der Vater meines Vaters hat meinen Vater als
Kind in das Volksparkstadion mitgenommen und heute fährt mein
Vater mit uns dort hin. Hamburg spielt ein Derby. Nur das Stadion heißt anders.
Vor dem Spiel fahren wir zu dem Sozialbaukomplex in dem mein Vater im Sommer
immer seine Großeltern besucht hat, weil Papa schauen will ob dort immer
noch die Familie Knackarsch wohnt. Er kennt keinen der Namen auf den
Klingelschildern mehr und es ist Winter.
*
Der Garten meiner Kindheit ist verwachsen. Ich hole die
Sense aus der Scheune und schlage zu. Es riecht nach Brennnesseln und Minze,
meine Hände sind gereizt, die Handschuhe haben Löcher. Ich schlage Schneisen
in die ausufernden Hecken und versuche die Sauerkirschbäume freizukämpfen.
Die Motorsäge ist zu laut für Sonntag. Hinter dem Dickicht, das zu den
Nachbarn hin wächst, weht eine Deutschlandfahne. Unter dem abgeholzten
Buschwerk finde ich eine Pausenbrotdose aus verblichenem scharlachrotem Plastik.
Auf der Terrasse liegt ein toter Vogel. Mit der Mistgabel räume ich
Schnittwerk, Laub und Unkraut auf den Carport. Aus den stärkeren Ästen
säge ich Brennholz. In diesem Haufen liegt ein Nest.
Die weißen Sneaker wasche ich im Expressprogramm und trockne sie mit zwei
Föhnen, die immer wieder heißlaufen. Es riecht verbrannt.
(...)
https://processin-magazine.com/alle-ausgaben
https://processin-magazine.com/media/pages/alle-ausgaben/b2d902e2d2-1693228974/processin_heft_2_leseprobe.pdf
https://www.liberladen.org/product/processin-2/
SEPTEMBER 2021 / EJECT - ZEITSCHRIFT FÜR MEDIENKULTUR / EDITION XI - FOREVER HOME
AM HAINBERG LIEGT DER DOLCH BEGRABEN.
Der Grund wurde niemals vollständig kartografiert. Es wurde mehrmals probiert, aber alle Versuche sind gescheitert. Dies wird ein Archiv der Projektionen sein.
I. Schichtvulkane/ Scheininseln/ Ultima Thule
Der Standrechner meiner Mutter ist die erste Verbindung des Hauses
zum Netz. Das WWW erklingt laut, wenn es in die elfenbeinweiße
Tastatur gedrückt wird. Der Weg des Fingers zum Anschlag ist
vernehmbar beschwerlich. Das Netzwerkgerät verbleibt dagegen
unerkannt in der Stille des Raumes unter dem Dach. Wir sind spät
dran. Den Berg hinauf bis zum Waldbeginn sind schon alle
verbunden. Die Tasten werden ergrauen mit der Zeit.
Mein Bruder und ich entdecken Google Earth. Wir suchen zu
allererst unser Haus. Dann benutzen wir die Zeitreisefunktion.
Wir finden uns nicht. Das ganze Dorf ist menschenleer.
Es gibt nur zwei Aufnahmen des Satelliten. Eine ist von 2006 und
eine aus dem letzten Jahr. Es ist 2010. Es ist Winter und die
Lüftung läuft heiß.
2016 wird eine neue Aufnahme gemacht, 2017 zwei. Die Letzte ist
von 2018. Da fährt meine Mutter schon den weißen Golf.
(...)
https://luciaverlag.de/shop/magazine/eject-11/
https://luciaverlag.de/shop/wissenschaft/eject-11-digital/
SEPTEMBER 2021 / WORTMELDUNGEN FÖRDERPREIS SHORTLIST
DORNEN DONNER STOSSGEBET
Eine Kindheit lang in den ausgetrockneten
Ackerfurchen ohne Furcht. Die Tritte in den Boden,
der aufgewirbelte Staub, der sich zum Abend hin legt
und uns in Schweigen hüllt. Der Fernseher läuft. Der
Ton ist aus. Der Atem geht schwer.
Auf dem Bolzplatz wächst kein Rasen mehr. Es ist zu
oft Schützenfest. Das Desinfektionsmittel spült den
Schotter aus den aufgeschlagenen Knien. Der
Fanfarenzug marschiert durchs Oberdorf. Vom Hang
herunter hallt der Tumult. Schüsse durchdringen die
Nacht. Es wird nicht dunkel, bevor es Morgen wird.
Mein Fußballtrainer brüllt immer noch Dschin Dschin
Dschinghis Khan und haut die Dinger ins Gestrüpp, wo
die Dornen die Bälle platzen lassen. Er sagt, wir sollen
den Kugeln hinterherjagen. Er sagt auch: Nehmt die
Bügeleisen aus den Schuhen – der Kunstrasen schmilzt.
Das Geräusch ist einschneidend, wenn das von der
Sonne strapazierte Leder auf die spitzen Dornen trifft.
Auf dem Rückweg vom Training wirft er die Big-Mac-
Schachtel aus dem heruntergekurbelten Fenster. Aber sag
das nicht deinem Vater, sagt er. Mein Vater ist bei
den Grünen oder wie er sagt: Dann müsst ihr halt zu
Fuß laufen.
(...)
https://www.wortmeldungen.org/fileadmin/wortmeldungen/files/foerderpreis/shortlist2021/Fenker_dornen_donner_stossgebet.pdf
https://www.wortmeldungen.org/foerderpreis/shortlist-2021